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Biergartentour durch Oberbayern

Biergarten am Chinesischen Turm im Englischen Garten in München Biergarten am Chinesischen Turm im Englischen Garten in München - © VN-N.Sieber
Zwei Jubiläen gilt es zu feiern: 200 Jahre Biergarten-Tradition – und 525 Jahre Münchner Reinheitsgebot.

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Mit dem Bier ging es los. Und Bier ist in Bayern bekanntlich ein Lebensmittel. Das bayerische Reinheitsgebot ist das erste, das bis heute gültige älteste Lebensmittelgesetz der Welt! Es wurde am Georgi-Tag, dem 23. April 1516, in Ingolstadt verkündet und bezog sich vorerst nur auf Bayern. Mittlerweile spricht man schon lange vom Deutschen Reinheitsgebot. Auch über die Grenzen hinweg hat es Akzeptanz und Nachahmung in Form als weltweiter Maßstab der Braukunst erfahren.

Reinheitsgebot in Ingolstadt

Das Haus mit der heute historischen Verkündung steht immer noch im Zentrum von Ingolstadt. Beim Landständetag verkündete Herzog Wilhelm IV., dass „zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gerste, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen“.

Von ehemals 33 sind heute noch zwei bekannte Brauereien vorhanden. Herrnbräu statten wir einen Besuch ab (werktags mit kostenlosen Besichtigungen mit Führung) und blicken beim Bierbrauen über die Schulter. Vom Gärungsprozess bis zur automatisch ablaufenden Abfüllung. Man erfährt Details über unter- und obergärige Biere und lernt, dass auch Bier seine Reife erlangen muss, bevor es ausgeschenkt werden kann.

Beim Spaziergang durch die Donaustadt ist man von den vielen lauschigen, gemütlichen, ruhigen oder trendigen Biergärten gleich angetan. An heißen Sommertagen kann man einer genüsslichen Einkehr sowieso kaum widerstehen. Das Besondere in Oberbayern – zum Teil auch im restlichen Bayern – ist, dass es auch einen Selbstbedienungsbereich gibt, wo die mitgebrachte Brotzeit von daheim ausgepackt und verzehrt werden darf.

200 Jahre Biergartenerlass

Diese Biergarten-Tradition jährt sich heuer schon zum 200. Mal. Der bayerische König Max I. räumte 1812 den Brauereien das Recht ein, direkt am Ort der Herstellung ihr Bier auszuschenken. Auf diesem Erlass beruht auch der Brauch, dass die Gäste in den Biergarten ihr eigenes Essen mitbringen und verzehren dürfen. Allerdings erwies sich als problematisch, das Bier über den Sommer genießbar zu halten. In Zeiten, in denen es noch keine Kältemaschinen gab – erst 60 Jahre später installierte Carl von Linde die erste Kältemaschine bei der Münchner Spaten-Brauerei – musste man sich mit dem von der Natur „produzierten“ Eis begnügen, das in Kellern gebunkert wurde. Die älteste Kühlmaschine der Welt (von 1881) funktionierte mit einer Turbine, die mit Wasserkraft betrieben wurde, und steht unter Denkmalschutz in der Paulaner-Brauerei.

Gelebte bayerische Gastlichkeit

Das Typische für Keller und Biergarten ergab sich mit der Zeit. Da nicht überall eine bewaldete Hanglage für einen kühlen Keller vorhanden war, ein solcher aber Schatten braucht, pflanzten die Brauer auf dem Gelände über den Bierlagerkellern Linden und Kastanien und streuten eine dicke Schicht Kies. So blieben die Keller kühl und die Biere im Sommer länger frisch. Nicht selten verweilte man nach dem Bierkauf im Schatten der Bäume und trank das für zu Hause gekaufte Bier gleich aus. Ein traditionsreiches Beispiel ist der Augustiner Keller mit über 100 stattlichen Kastanienbäumen, wo Stammtisch an Stammtisch grenzt. Möchte man es größer und freier haben, so bietet der Chinesische Turm einen Biergarten im Englischen Garten (großes Bild umseitig). Braucht man mehr Trubel um sich herum, kann man auch im Biergarten am Viktualienmarkt einkehren.

Man erfährt auch, dass Herzog Albrecht IV. bereits 1487 ein strenges Reinheitsgebot für München erließ, um den Panschern das Handwerk zu legen – heuer sind es nun schon 525 Jahre seither. Wir genießen die Errungenschaft „Biergarten“ und setzen noch einen drauf: Nicht weit ist es zum Bier- und Oktoberfestmuseum. Dort gibt es bis zum 1. September die Sonderausstellung „200 Jahre Biergarten“, die über Historie und Phänomen des Biergartens aufklärt. Und ausgeschenkt wird auch: Hopfen und Malz – Gott erhalt’s!

 

REISE-INFOS

Biergärten & Restaurants:
Ingolstadt: A. Schwaige (www.antoniusschwaige.de); Schanzer Rutschn (www.schanzer-rutschn.de)
München: Biergarten am Viktualienmarkt (www.biergarten-viktualienmarkt.de); Augustiner Keller (www.augustinerkeller.de); Hofbräuhaus (www.hofbraeuhaus.de); Bier- und Oktoberfest-Museum (www.bier-und-oktoberfestmuseum.de); Chinesischer Turm (www.chinaturm.de).
Freising: Bräustüberl Weihenstephan (www.braeustueberl-weihenstephan.de); Brauerei Weihenstephan (www.weihenstephaner.de)

Termine & Besichtigungen:
Ausstellung „200 Jahre Biergarten“ bis 1. 9.12 (www.bier-und-oktoberfestmuseum.de); Oktoberfest (www.oktoberfest.eu); Sightseeing Bier Tour (www.biertour-muenchen.de); Maxlrainer Ritterspiele 22/23. 9.2012 (www.spectaculum.de/termine/tuntenhausen).

 

VN-N.Sieber

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