Betrüger schlagen per E-Mail zu: Mehr Internetkriminalität in Vorarlberg

Von VN/Geraldine Rainer
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"Es gibt Vorarlberger, die haben dadurch bereits 50.000 Euro in den Sand gesetzt", weiß Harald Longhi. "Es gibt Vorarlberger, die haben dadurch bereits 50.000 Euro in den Sand gesetzt", weiß Harald Longhi. - © VMH, Polizei
Schwarzach. Ob über E-Mail, Kleinanzeigen oder Facebook – die Kreativität und Flexibilität der Internetbetrüger scheint keine Grenzen zu kennen. Beinahe täglich sieht sich das Landeskriminalamt Vorarlberg mit neuen Betrugsvarianten konfrontiert.

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„Ich bin immer wieder hoch erstaunt über die kriminellen Energien der Betrüger“, sagt Harald Longhi, Internetspezialist beim LKA. Und fügt hinzu: „Es gibt Vorarlberger, die haben dadurch bereits 50.000 Euro in den Sand gesetzt.“

Die Internetkriminalität hat in Vorarlberg deutlich zugelegt. Zwischen Jänner und Juni 2012 wurden bereits 73 Anzeigen verzeichnet – dreimal so viele wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres (24). Doch das ist längst nicht das Ende der Fahnenstange. Denn die Dunkelziffer ist laut Longhi enorm hoch. Alle Hände voll zu tun haben die Ermittler derzeit mit den sogenannten Polizei-Trojanern. „Die sind massiv im Umlauf“, bekräftigt der Experte.

Computer wird verseucht

Täglich gehen beim LKA mehrere Meldungen von Betrugsopfern ein. Die Waffe der Angreifer: E-Mails. Mittels angehängten Dateien oder Internet-Links wird versucht, den Computer zu verseuchen. Mit Tricks wie: „Sie haben eine Reise gebucht. Details dazu finden sie auf folgender Internetseite.“ Oder: „Die Deutsche Post hat versucht, Ihnen ein Paket zuzustellen. Drucken Sie für die Zustellung beigefügtes Dokument aus.“

„Oft werden die Leute auch direkt mit dem Namen angesprochen“, weiß der Polizist. Wird der Anhang oder der Link geöffnet, erscheint ein schwarzer Bildschirm: „Aus Sicherheitsgründen wurde Ihr Windowssystem blockiert.“ Als Druckmittel gibt sich der Schädling als Polizei aus und behauptet, strafbare Inhalte auf dem PC des Opfers gefunden zu haben. Gegen Zahlung der geforderten 100 Euro oder mehr – via Ukash oder Paysafe – soll der Rechner wieder entsperrt werden. Mitnichten. Und der vorgebliche Polizei-Trojaner blockiert nicht nur den Computer, sondern ist auch in der Lage, andere Programme auszulesen und so an persönliche Daten zu kommen. Zum Schutz vor solchen Attacken empfiehlt Longhi, nicht nur den Virenscanner, sondern auch den Internetbrowser oder Programme wie den Flash-Player stets zu aktualisieren. Nach einer erfolgten Attacke sei es ratsam, „den Rechner nicht nur zu entseuchen, sondern komplett neu aufzusetzen“. Selbst ein neu gekaufter PC stellt laut Longhi ein massives Sicherheitsrisiko dar. „Bei der Auslieferung sind sie schon nicht mehr auf dem Stand der Dinge.“ Zudem müsse man sich bewusst sein, dass auch ein guter Virenscanner keine Wunder bewirken kann. „Die decken meist nur zwischen 70 und 85 Prozent der aktuellen Bedrohungen ab. Das Restrisiko beträgt somit zwischen 15 und 30 Prozent.“

Betrüger als falsche Freunde

Eine weitere Masche, um Menschen Geld aus der Tasche zu ziehen, ist das sogenannte „Social Engineering“. Dabei werden Menschen so weit manipuliert, dass sie bereitwillig Geld oder Informationen herausgeben. Sind es zunächst Nachrichten wie „Honey, I love you“, kommt sehr schnell Bares ins Spiel: für das Flugticket, den fehlenden Reisepass oder die kranke Mutter.

Die Betrüger lauern aber auch über Kleinanzeigen und bieten vermeintlich günstige Autos, Boote oder Wohnungen feil. Die Interessenten werden genötigt, eine Anzahlung zu leisten. „Finger weg. Auch wenn der Verkauf scheinbar über eine Treuhandfirma abgewickelt wird“, rät Harald Longhi. Und auch für die Rettung von Tieren, die ansonsten umgebracht würden, hat so mancher Vorarlberger bereits 10.000 Euro bezahlt.

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