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Beim Barte Odins: Too Human

Mensch oder Cyborg? Götter haben`s schwer... Mensch oder Cyborg? Götter haben`s schwer... - © Waibel
Silicon Knights zählen zu den Spieleentwickler-Göttern im zu diesen Zeiten recht leeren Olymp. Nach dem Meisterstück „Eternal Darkness“ wurden große Hoffnungen in „Too Human“ investiert.  

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Gutes will reifen, doch was für eine Entwicklungs-Odyssee Too Human mitgemacht hat, in den vergangenen 10 Jahren, ist schon einzigartig. Letztlich scheint es den Silicon Knights doch gelungen zu sein, ihr Action-Rollenspiel zu releasen, mit Microsoft im Rücken. Too Human soll wohl ein Zugpferd für die 360 gemeinhin und speziell für das Weihnachtsgeschäft 2008 werden. Eigentlich unverständlich, sollte man meinen, steht doch bereits im Herbst mit Fable 2 ein echter Kracher auf der Redmonder Releaseliste. Zumal man beim Anzocken von Too Human sich des Eindrucks nicht erwehren kann, das Game sei trotz 10 Jahren Entwicklung doch nicht ganz so rund, wie man das von den Silicon Knights erwarten könnte. Und wie es mit etwas Feinschliff noch werden hätte können. 

Hohe Erwartungen, die begleitet von einem riesigen Medienhype über Monate, im Falle von Too Human glatt über mehrere Jahre hinweg kontinuierlich gewachsen sind, können in überzogener Enttäuschung resultieren. Doch Too Human macht einiges falsch: Eine mäßige Synchronisation schmückt ruckelanfällige Cut-Scenes, während hakelige Charakteranimationen und eine offensichtlich miserable Kameraführung für weiteren Missmut sorgen. Darüber hinaus fühlt man sich angesichts der zunächst recht ungewöhnlichen Kampfführung vom Spiel im Stich gelassen. erreicht. Die komplexe Steuerung erfordert eine lange Spieldauer, um den taktischen Sinn dahinter voll zu begreifen. Im Gegensatz zu Genrekollegen wird der Protagonist im Kampf nämlich primär mittels des rechten Analogsticks gesteuert, sämtliche Kombos werden hier ausgelöst. Je nach Ausrichtung der gewählten Klasse setzt man sich auch mit einer Vielzahl von Schießprügeln zur Wehr. Besonders Bosse sind im Nahkampf zu hart, andere wiederum wollen mit einer bestimmten Kombo zu Fall gebracht werden. So erinnert Too Human an eine Mischung zwischen Diablo, Dynasty Warriors mit einem Schuß Endzeitdramatik, gepaart mit nordischer Mythologie. Wer im Kampf fällt, wird stilgerecht von einer fantastisch in Szene gesetzten Walküre wiederbelebt.

Die Storyline und Atmosphäre ist das, woran Too Human letztlich krankt: Im Gegensatz zum fantastischen und heute noch selten erreichten Eternal Darkness will nämlich im aktuellen Silicon Knights Titel kaum ein Mittendrin Gefühl aufkommen. Man schnetzelt sich durch Gegnerhorden, bewältigt simple Rätsel und sammelt Ausrüstung. Die Rätseleinlagen beschränken sich zumeist auf das Betreten des „Cyberspace“ an im Spiel verteilten Brunnen, wo Schalter umgelegt werden müssen. Auch besucht man in diesem Jenseits auch die Nornen, von denen Baldur, der Protagonist, wie auch von anderen Göttern Aufträge erhält. Die beschränken sich meist nur auf das Durchmetzeln eines Levels mit Unmengen von Gegnern, Zwischenbossen und einem besonders dicken Endboss. 
So bleibt ein nettes schnelles Hack and Slay Game mit der immer funktionierenden Itemsammelspirale mit hohem Suchtfaktor. Neben Waffen und Ausrüstungsgegenständen findet Baldur auch Runen, die in die Ausrüstung eingebaut werden kann sowie Baupläne von besonders schicken epischen Teilen. Dazu benötigt er aber Ressourcen in Form von banalen im Laufe der Kämpfe erbeuteten Credits, die Gegner fallen lassen oder auch zuweilen in zerschlagbaren Behältern zu finden sind. Natürlich darf genretypisch auch ein Skillbaum nicht fehlen, wo man seine aus fünf Grundklassen gewählte Type noch mehr spezialisiert. Damit erschöpft sich auch schon der Grad an Individualisierung, Baldur bleibt Baldur, und es gibt auch keine Baldurine.

Gegen Ende des auf eine Trilogie ausgelegten Spiels kommt auch die Story mehr in Fahrt und macht neugierig auf den nächsten Teil. Leider flimmert der Abspann für Profis bereits nach 15 Stunden über den Bildschirm, was sehr mager erscheint. Ob dahinter marketingtechnisches Kalkül steckt oder ganz einfach Teil 1 gerade so fertig geworden ist, und 2 und 3 noch lange auf sich warten lassen, verschließt sich meiner Logik. Die angesprochene kurze Spieldauer wird jedenfalls mediale Watschen von diversen Testern kassieren, soviel steht fest, insbesondere wenn man in Betracht zieht, dass ein 360er-Titel zwischen 60 und 70 Euro kosten kann.  

Von der technischen Seite her auch ein durchwachsenes Bild: Zahlreiche Areale machen dank ausgezeichneter Level-Architektur und hübschen Lichteinfalls einen imposanten Eindruck, andere Gebiete wirken dagegen aber extrem trist und wenig begeisternd. Was die Animationsabläufe der Protagonisten anbelangt, verhält sich die Sache ähnlich: Während dank großem Move-Repertoire spektakuläre Kombos und Attacken vollführt werden, können speziell die steifen Laufanimationen des Helden nicht überzeugen. Wiederum positiv erwähnt werden dürfen die hübsch modellierten und zahlreichen unterschiedlichen Gegner-Typen. Hier wird eine enorme Vielfalt erreicht.

 

Fazit

Es war ja zu erwarten: Mit Games ist es fast wie mit der Jugendliebe. Trifft man eine verflossene Liebe aus Schulzeiten wieder einmal und versucht man es zusammen noch mal, wird meistens ein Deseaster draus. Zu hoch die zum Teil auch grundlegend falschen Erwartungen an den anderen. Eternal Darkness war zu seiner Zeit eine bahnbrechende Erfahrung. Ein cooles Kampfsystem, ein hoher Rollenspielfaktor, Atmosphäre mit Gänsehautgarantie, ausgelöst durch optische aber auch und besonders akustische Elemente, die anno dazumal mit dem Gamecube in Dolby Pro Logic II grandios inszeniert wurden. Das ganze noch gesäumt mit einer spannenden Geschichte ohne Klischees, noch nie so dagewesen. Too Human ist in seinem Grundansatz ein cooles Hack and Slay-Actionrollenspiel mit einer nur langsam in Fahrt kommenden Handlung, einer rasanten Achterbahnfahrt an Kämpfen und der immer funktionierenden Item-Sammelsuchtspirale. Was auf der Strecke bleibt, ist der besondere Zauber, den Eternal Darkness damals hatte. Zudem plagen technische Problemchen das gute Gesamtbild. So trägt die störrische feststehende Kamera besonders in hektischen Kämpfen nicht gerade zum Spielfluss bei. Aber man soll sich eben nicht an Träumen festklammern, unter dem Strich ist Too Human einer der seltenen und in dieser Form auch recht gut gelungenen Vertreter der Hack and Slay-Fraktion für die Xbox 360, gesäumt von einer feinen Inszenierung und einer Geschichte angesiedelt in der nordischen Mythologie. Summa summarum ein Mix aus verschiedenen Erfolgsrezepten der zusammen nicht so richtig schmecken will. Irgendeine Zutat fehlt, die ich hier mal Seele des Spiels nennen will. Aber vielleicht entwickelt sich die ja erst mit der Zeit, wenn erst Teil 2 der Saga das Licht der Welt erblickt. 

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