Behinderte am Arbeitsmarkt: IfS-Projekt "Spagat" als Vorbild

Behinderte am Arbeitsmarkt: IfS-Projekt "Spagat" als Vorbild
Bregenz - Das Programm “Spagat” des Vorarlberger Instituts für Sozialdienste (IfS) gilt als vorbildlich, wenn es um die Arbeitsmarkt-Integration von Menschen geht, die aufgrund ihrer Beeinträchtigungen zur Zielgruppe für Behindertenwerkstätten gehören.

Ein vom IfS betreuter, integrativer Arbeitsplatz bietet viele Vorteile, sowohl für den betroffenen Behinderten als auch für die Volkswirtschaft, wie auch Wissenschafter des Instituts für Bildungswissenschaft der Uni Wien in ihrer Studie über den Berufseinstieg von Behinderten betonen.

Die Person mit Handicap ist dabei anders als auf einem Werkstättenplatz sozial-, pensions- sowie arbeitslosenversichert. Der Betrieb muss dabei nur die real erbrachte Leistung des Behinderten bezahlen, auch wenn diese oft weit unter 50 Prozent liegt. Die Differenz auf ein kollektivvertragliches Entgelt bis zu maximal 1.000 Euro brutto wird durch eine Lohnkosten-Subvention des Landes Vorarlberg ausgeglichen.

Das IfS-Projekt “Spagat”: Details

Am Beginn steht bei “Spagat” der Unterstützerkreis, zu dem Lehrer, Familie und IfS-Betreuer gehören. Gemeinsam mit dem Behinderten wird überlegt, welches Tätigkeitsfeld infrage kommt. Anschließend werden Kontakte zu Unternehmen geknüpft und ein begleitetes “Schnuppern” organisiert. “Oft gibt es in den Betrieben Ängste. Angesichts lern- oder stark sehbehinderter Personen stehen viele vor der Frage: Wie soll das gehen? Dabei sind unsere Aufgaben das Brückenbauen und Kreativität bei der Adaption der Tätigkeit und des Arbeitsplatzes”, erklärte “Spagat”-Leiterin Birgit Werle im Gespräch mit der APA. Der Behinderte erhält bei seinen Aufgaben, meist Hilfstätigkeiten, einen innerbetrieblichen Mentor, für dessen anteiligen Leistungsausfall der Arbeitgeber einen Mentorenzuschuss erhält.

“In den 13 Jahren, seit es Spagat gibt, haben wir uns in Vorarlberg zu einer Art Marke hochgearbeitet”, sagt Werle. Die Bereitschaft, einen integrativen Arbeitsplatz einzurichten, sei bei den Betrieben daher sehr groß. Insgesamt betreue man derzeit rund 300 Teilnehmer, die in nahezu allen Branchen arbeiteten. “Es geht nicht um Leistung, es geht um Teilhabe. Die Person mit Handicap erlebt sich als wertvollen Teil unserer Leistungsgesellschaft, was oft eine enorme Entwicklung bewirkt. Und in den Betrieben verändert sich das Klima hin zu mehr Menschlichkeit, weil da ein Mitarbeiter ist, der vieles relativiert”, so Werle.

Dass das Modell “Spagat” funktioniert, zeigt sich etwa im Bregenzerwald, wo viele Gemeinden als Träger eingestiegen sind. Der Behinderte wird bei der Kommune angestellt und von mehreren Firmen geleast. So können sich auch Betriebe beteiligen, die nur Hilfstätigkeiten im Ausmaß weniger Wochenstunden bieten können. Diese Form hat auch die Gemeinde Schoppernau für ihre zwei integrativen Arbeitsplätze gewählt. “Thomas beispielsweise arbeitet fünf Vormittage die Woche. Dienstags hilft er unseren Gemeindearbeitern, die übrigen Vormittage verbringt er etwa bei einem Installateur und einem Schreiner”, berichtet Gemeindesekretärin und Mentorin Katharina Rüscher.

Die Neugier auf das Vorarlberger Modell ist jedenfalls groß. “Wir haben fast wöchentlich Delegationen aus dem In- und Ausland hier, die sich unser Projekt anschauen wollen”, sagte Werle. “Spagat” entstand aus einem dreijährigen EU-Projekt, das 1997 mit sieben Teilnehmern startete. (APA)

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