Begegnungen schaffen

Von VN/Iris Burtscher
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Michaela Wagner ist seit Jahresbeginn Lebenshilfe-Geschäftsführerin. Michaela Wagner ist seit Jahresbeginn Lebenshilfe-Geschäftsführerin. - © VOL.at/Roland Paulitsch
Götzis - Michaela Wagner will als neue Lebenshilfe-Geschäftsführerin weg vom grünen Tisch.

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Beim Neujahrsempfang der Industriellenvereinigung war Michaela Wagner am Montag zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt Gast. Nicht Gastgeberin. Angesprochen wurde sie – gerade deswegen – auch von vielen Besuchern. Die vormalige Geschäftsführerin der Industriellenvereinigung führt seit Jahresbeginn die Vorarlberger Lebenshilfe.

Der Wechsel kam für sie eher zufällig. „Ich habe nicht gesucht. Ich habe die Stellenausschreibung gesehen und mir gedacht: Die Position ist perfekt auf mich zugeschnitten.“ Also hat sie sich beworben – und setzte sich auch gegen andere ambitionierte Bewerber durch. „Mir war gleich klar: Solche Angebote liegen nicht auf der Straße. Es war für mich ein guter Zeitpunkt, noch einmal neu durchzustarten“, erzählt sie. Das tut sie jetzt. Michaela Wagner hetzt zwar derzeit von Termin zu Termin – trotzdem sprüht sie vor Energie. Die wird sie auch brauchen, schließlich hat sie sich zur Aufgabe gesetzt, alle Standorte regelmäßig zu besuchen. Und das sind über 60: Brockenhaus und Ausbildungszentrum, Sunnahof und Wohnhäuser.

Keine „Schreibtischtäterin“

„Ich muss vor Ort sein, um die Menschen zu spüren. Ich kann meine Arbeit nicht vom grünen Tisch aus machen. Ich muss raus“, skizziert Wagner, wie sie ihre Führungsfunktion in der Lebenshilfe gestalten will. Auch bei der Industriellenvereinigung habe sie das schon so gehandhabt. „Ich bin lieber zu Firmenchefs ins Büro. Sobald man ein Unternehmen betritt, erfährt man gleich sehr viel über die Unternehmenskultur.“

Der Wechsel von der Industriellenvereinigung zur Lebenshilfe hat manche überrascht. „Aber wer mich gut kennt, der weiß auch, dass ich im Sozialbereich schon länger aktiv bin“, sagt Wagner. Beim Projekt „Brückenschlag“ war sie von Beginn an mit dabei, arbeitete etwa in einer Frauennotwohnung. Und so unterschiedlich sei ihre Aufgabe nach dem Wechsel auch nicht. „Die Einrichtung wird von außen oft anders gesehen. Man meint, es müsse ganz anders sein. Aber es funktioniert ähnlich wie bei einem privaten Betrieb. Es braucht eine professionelle Führung.“

In die Köpfe der Menschen

Ihrem Vorgänger Heinz Werner Blum streut Wagner Rosen. „Er hat die Lebenshilfe mit seinen Ideen und Visionen dorthin gebracht, wo sie heute ist.“ Visionen hat auch sie. Sie will die Lebenshilfe noch weiter öffnen und das Prinzip der Inklusion in der Gesellschaft verankern. Inklusion heißt, dass alle Menschen, mit und ohne Behinderung, anerkannt und angenommen werden. „Wir müssen in die Köpfe der Menschen bringen, dass behinderte Menschen ein Teil unserer Gesellschaft sind. Dafür müssen wir Begegnungsräume schaffen.“ Das Loackerhuus in Götzis ist ein Beispiel dafür, wie es funktionieren kann. Im Café treffen sich Menschen mit und ohne Behinderung ganz selbstverständlich. „Viele haben Vorbehalte. Unsere Befragungen zeigen aber auch: Der Umgang wird selbstverständlicher. Aber wir sind noch ganz am Anfang“, stellt Wagner fest. Sie ist es in ihrer neuen Funktion jedenfalls.

Zur Person: Michaela Wagner
neue Geschäftsführerin der Vorarlberger Lebenshilfe
Geboren: 18. Juli 1966
Ausbildung: BRG Dornbirn, HLW Rankweil, Studium der Publizistik und Germanistik in Salzburg
Laufbahn: Vorarlberger Wirtschaftsbund 1994–1995, Leiterin der Pressestelle Hilti 1995–2000,
IV-Geschäftsführerin 2000–2011
Familie: in Partnerschaft
Hobbys: Wandern, Lesen

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