“Bartholomäusnacht” in Melk: Historiendrama mit Zeitbezug

Ein opulentes Historiendrama mit aktuellem Zeitbezug setzt den gewichtigen Auftakt zum diesjährigen Theaterfest NÖ: In der Wachauarena Melk ist am Mittwochabend das Schauspiel “Bartholomäusnacht” von Stephan Lack und Intendant Alexander Hauer mit viel Premierenjubel bedacht worden.

“Meinen Hass bekommst du nicht”: Diesen Satz schleudert König Heinrich IV. von Navarra am Ende des Stücks seinem präsumtiven Attentäter entgegen, unschwer als reales Zitat zu identifizieren. Es entstammt dem offenen Brief des französischen Journalisten Antoine Leiris, dessen Frau sich im November 2015 unter den Opfern des IS-Anschlags auf den Pariser Musikclub Bataclan befand. 

In der Bartholomäusnacht waren es die Hugenotten, die vom katholischen Mob niedergemetzelt wurden. Vordergründig als Eskalation eines langen Religionskonflikts – doch Lack und Hauer machen klar, dass auch mannigfache handfeste Interessen dazu beitrugen. Es ging – und geht – nicht zuletzt um einen Dschungel aus Macht, Abhängigkeit, persönlichen Intrigen und individuellen wie kollektiven Psychosen. Die grauenhaften Geschehnisse jener Augustnacht 1572 komprimiert Hauers Inszenierung auf eindringlich-plakative Weise, ganz ohne Theaterblut, manche Untat auch nur andeutend, als wär’s – peng! – ein Kinderspiel.  

Man könnte schon von einer Melker Dramaturgie sprechen, die Hauer über die Jahre hinweg an großen Stoffen und Mythen entwickelt hat. Dazu tragen auch die originelle Bühnenbildgestaltung von Daniel Sommergruber – unter Verwendung unzähliger leerer Mineralwasserflaschen und weißer Plastikhocker -, die Thriller-Effekte in der Musik von Gerald Huber-Weiderbauer und die ansprechend gestalteten Kostüme (Julia Klug, Nina Holzapfel) bei.

Dass die meisten Mitwirkenden mehrere Rollen verkörpern, mag zwischendurch leicht verwirren. Katharina Stemberger gibt eine eiskalte, gefühllose und besitzergreifende Königsmutter Katharina von Medici, Christian Kainradl als Karl IX. spielt überzeugend ein gebrochenes Muttersöhnchen, das zum Verräter an allen Idealen wird, Otto Beckmann einen smarten Heinrich von Navarra, Kajetan Dick schlüpft gleich in sieben Partien.

Hoher Anspruch, inhaltliche Tiefe: Ein durchaus starker Start in Melk, das seit jeher zu den Qualitätsstandorten im Theaterfest NÖ zählt. Als zweite Produktion der Sommerspiele hat am 6. Juli die Musikrevue “Birdland. Das Glück is a Vogerl” Premiere. Ein ausgiebiges Rahmenprogramm beinhaltet u.a. ein Konzert mit Willi Resetarits & Stubnblues (18. Juli) und einen Kulturausflug zu protestantischen Spuren in der Wachau (29. Juli).

(APA)

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