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"Barbara" auf der Viennale 2017: Interview mit Mathieu Amalric

Mathieu Amalric im Interview
Mathieu Amalric im Interview ©AFP (Archivbild)
Am Samstag stellte Mathieu Amalric im Wiener Gartenbaukino seinen sechsten Film "Barabara" in Zuge des Viennale-Filmfestivals vor.

Amalric war vor wenigen Tagen in “Les Fantomes d’Ismael” von Arnaud Desplechin als Regisseur in der Schaffenskrise zwischen Charlotte Gainsbourg als Lebensgefährtin und Marion Cotillard als nach 20 Jahren wieder aufgetauchter Ehefrau zu sehen.

Mathieu Amalric mit “Barbara” auf der 55. Viennale

Auch in “Barbara” spielt er selbst mit – und erneut einen Regisseur. Yves Zand (der Mädchenname seiner Mutter) heißt der Filmemacher, der im Film mit der Schauspielerin Brigitte (verkörpert von Amalrics Ex-Frau Jeanne Balibar) einen Film über die legendäre französische Sängerin Barbara (1930-1997) dreht. Ein deutlich komplizierteres cineastisches Vorhaben also als “La vie en rose”, mit dem Olivier Dahan vor zehn Jahren Marion Cotillard höchst erfolgreich als Edith Piaf inszenierte.

“Ein normales Biopic muss eine Moral transportieren, damit es finanziert wird. Dann müsste man Barbaras Geschichte so erzählen: ein jüdisches Mädchen, die als Kind vom Vater missbraucht wurde, aber wegen ihres großartigen Publikums die Liebe wiederfindet. Für so etwas lassen die Finanziers viel Geld springen”, erzählt Amalric im APA-Interview. “Aber das hätte mir keinen Spaß gemacht. Ich habe keine Moral, die ich vermitteln will. Ich möchte nur, dass der Geist Barbaras, ihr Atem, durch den Film weht.”

“Barbara ist Teil der frankophonen Kultur wie hierzulande der Wiener Walzer”

“Barbara ist Teil der frankophonen Kultur wie hierzulande der Wiener Walzer”, meint der französische Regisseur und Schauspieler, der zwischendurch eindrucksvolle Beweise davon gibt, dass sein Schul-Deutsch doch nicht so eingerostet ist, wie er vorgibt. “Barbara ist die Generation meiner Eltern, in den 50er und 60ern hat sie in den Clubs der Rive Gauche gesungen. Heute beziehen sich viele der jungen Leute in der Musikwelt wieder auf sie. Würde sie heute leben, bin ich sicher, dass sie etwas wie Rap machen würde. Barbara war eine Frau, die immer in Kontakt mit den Tönen der Gegenwart war.”

Dennoch wäre er nie selbst auf die Idee gekommen, einen Film über Barbara zu drehen. “Pierre Leon wollte unbedingt einen Film über sie machen, er hat es acht Jahre vergeblich versucht und hat schließlich zu mir gesagt: Warum versuchst es nicht du? Auch Jeanne Balibar hatte Lust auf diesen Film. Vor langer Zeit haben wir viel gemeinsam gemacht – zusammen gelebt, Kinder bekommen, Filme gedreht. Das war im vergangenen Jahrhundert. 17 Jahre lang haben wir keinen gemeinsamen Film mehr gemacht. Ohne Jeanne hätte keinen Film über Barbara gemacht.”

“Als ich die Idee hatte, einen Film im Film zu machen, ist der Knoten geplatzt”

Auch die Form für den Film zu finden, sei kein einfaches Unterfangen gewesen, erzählt Amalric: “Ich wollte zunächst einmal alles über sie wissen und habe viel über Barbara recherchiert , wie ein Historiker. Aber meine Lust als Regisseur ist nicht angesprungen und ich habe das Projekt einige Zeit liegen gelassen. Als ich die Idee hatte, einen Film im Film zu machen, ist der Knoten geplatzt.”

So ist ein Film entstanden, der auf mehreren Ebenen gleichzeitig spielt und in dem zwischen Balibar und Barbara oft schwer zu unterscheiden ist. “Man sieht etwa die Schauspielerin Brigitte auf der Suche nach der richtigen Geste, während hinten auf dem Bildschirm die richtige Barbara zu sehen ist.” Ähnlich ist es bei der Musik. Auch hier hört man zwar mitunter Barbara in Originalaufnahmen, aber noch häufiger ist es Jeanne Balibar, die zu hören ist. “Ich wollte sie nicht eineinhalb Stunden dazu vergattern, synchrone Lippenbewegungen zum Gesang von Barbara zu machen. Es ging mir darum, den Atem der Musik zu spüren. Meine Arbeit war, die richtige Form dafür zu finden.”

Österreich-Bezug in der Biografie Amalrics

Dass er mit der Verschachtelung verschiedener Ebenen seine Zuschauer überfordern könnte, daran glaubt Mathieu Amalric übrigens keineswegs: “Heutzutage sind die Menschen gewohnt, drei, vier Sachen gleichzeitig wahrzunehmen, das wird nicht mehr als kompliziert wahrgenommen. Man lernt so mehr über Barbara, ohne dass es einem wirklich bewusst wird. Außerdem mache ich halt das, was ich kann, tut mir leid. Hier spiele ich eben mit dem Genre Biopic. Ich habe beim Drehen viel an Alain Resnais gedacht. Hätte ich beim Drehen nur an die Zuschauer gedacht, wäre ich heute nicht hier – bei der Viennale.”

Ein kleiner Österreich-Bezug findet sich übrigens auch in der Biografie Amalrics, der mit “Schmetterling und Taucherglocke” (2007) seinen vielleicht wertvollsten, mit dem James Bond-Streifen “Quantum of Solace” (2008) seinen sicherlich populärsten Film gedreht hat: 1992 soll er bei Peter Handkes Film “Die Abwesenheit” als Regieassistent gearbeitet haben. Wie war das damals wirklich? “Ich habe ja nicht als Schauspieler beim Film begonnen, das glauben die Leute nur immer. Ich habe ab 17 alles gemacht, was man beim Film machen kann. Erst viel später, als ich schon über 30 war, hat mich Arnaud Desplechin dazu gebracht, auch zu spielen. Damals, bei Handke, hab ich mich ums Catering gekümmert. Ich habe das Essen für Jeanne Moreau und Bruno Ganz gemacht. Moreau wollte nicht, dass ich ihr serviere, weil sie noch ganz in den “Erzählungen der Magd Zerline” war, die sie mit Klaus Michael Grüber gemacht hat, und Ganz wollte nie mit den anderen essen.” Amalric schmunzelt: “Ich habe tatsächlich noch immer intensive Erinnerungen daran.”

(Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang / APA / Red.)

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