Austropop-Legende Wilfried im Alter von 67 Jahren gestorben

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Austropop-Legende Wilfried ist 67-jährig gestorben
Austropop-Legende Wilfried ist 67-jährig gestorben - © BilderBox.com (Sujet)
Trauer um eine heimische Musiklegende: Austropopper Wilfried Scheutz ist tot. Große Bekanntheit erlangte der gebürtige Oberösterreicher mit Hits wie “Ziwui Ziwui” und “Highdelbeeren”, zuletzt trat er unter anderem im Vorjahr beim Steirerball in Wien auf.

Der in Bad Goisern geborene Musiker, Sänger, Komponist und Schauspieler Wilfried Scheutz ist am späten Sonntagabend gestorben. Das berichteten die “Oberösterreichischen Nachrichten” Montagfrüh in ihrer Online-Ausgabe. Der Songwriter, Schauspieler und Sänger erlag einer Krebserkrankung.

Lebensstationen der Austropop-Legende Wilfried: EAV und Co.

Der am 24. Juni 1950 in Bad Goisern geborene Wilfried Scheutz, war auf der Bühne meist als “Wilfried” bekannt. Mit seinem Volksmusik-Crossover feierte er Anfang der 70er-Jahre große Erfolge, mit “Mary Oh Mary” schaffte er 1973 sogar den Sprung an die Spitze der Ö3-Hitparade – wie er überhaupt seine größten Erfolge, zu denen auch “Ziwui, Ziwui”, “Country Blues” oder “Lauf Hase, lauf ” zählen, in den 1970er- und 1980er-Jahren feierte, was ihn zu einem der bekanntesten Vertreter des Austropops macht.

Wilfrieds musikalisches Schaffen umfasste aber zahlreiche Genres, von Blues über Rock bis zu eigenwilligen Popsongs wie “Orange” und “Highdelbeeren”. Von 1978 bis Mitte 1979 war er auch Sänger der “Ersten Allgemeinen Verunsicherung”.

Einen Karriereknick erlitt Wilfried 1988, als er beim Song Contest mit “Lisa Mona Lisa” nur den letzten Platz belegte. Er nahm es zwar gelassen (die Folgesingle heißt “Danke Österreich”, ein erstes Solo-Kabarett-Programm “Schrott sei Dank”), die öffentliche Schelte hatte dennoch den weitgehenden Rückzug aus den Medien zur Folge.

Seit den 1990er-Jahren war Wilfried auch als Schauspieler erfolgreich. 1996 gründete er die A-cappella-Gruppe “4Xang”. Anfang 2011 gründete er mit seinem Sohn Hanibal Scheutz die Rockband “Neue Band”.

Vielseitiger Künstler erlag einer Krebserkrankung

Er war bis zum Schluss der unangepasste Querdenker der Austropop-Szene: Erst vor wenigen Wochen ist “Gut Lack” erschienen, ein freches, mutiges und vielfältiges Album, auf dem Wilfried Scheutz noch einmal alle Register seines Könnens zog. Eine Platte, die nicht zuletzt auch geprägt war vom Kampf gegen den Krebs. Diesen hat der Musiker nun verloren: Am Sonntag starb er mit 67 Jahren.Geboren wurde Wilfried Scheutz, der als Künstler gemeinhin nur als Wilfried firmierte, am 24. Juni 1950 in Bad Goisern. Eine kreative Ader legte er schon früh an den Tag, mit 14 Jahren gründete er seine erste Band Provos. Und der musikalische Werdegang schien gewissermaßen vorgezeichnet, spielte doch der Großvater in der Dorfkapelle und war auch das elterliche Gasthaus beliebter Treffpunkt für ortsansässige Musikanten. Die Volksmusik sollte dadurch ebenso ein Einfluss für seine spätere Karriere werden wie 60er-Jahre-Formationen im Stile von Blood, Sweat and Tears oder Colosseum.

Unangepasster Querdenker: Austropop-Legende Wilfried verstorben

Wobei speziell die musikalische Tradition in rot-weiß-rot von Wilfried genüsslich gebrochen und weitergedacht wurde. Volksmusik mit populär-musikalischen Versatzstücken? Das war neu und brachte ihm ab den 1970ern große Erfolge ein. Mit “Mary, Oh Mary” ging es direkt in die Charts, weitere Stücke wie “Ziwui, Ziwui” sollten diesem Beispiel folgen. Wobei sich Wilfried keineswegs auf eine Sparte festlegen wollte und sich gerne vielseitig gab: Der Entertainer wandte sich somit auch dem Theater und Musical zu.

Ein weiterer Eintrag in die heimische Pop-Historie gelang ihm als Sänger der Ersten Allgemeinen Verunsicherung, für die er zwar nur kurze Zeit wirkte, aber immerhin die erste, selbstbetitelte Platte von 1978 einsang. In der Folge galt die Konzentration wieder der Solokarriere, die sich in unterschiedlichster klanglicher Form entwickeln sollte. Dass er keine Berührungsängste kannte, zeigte Wilfried nicht zuletzt 1988 mit seiner Teilnahme am Eurovision Song Contest – allerdings war ihm dabei kein Erfolg beschieden. Mit “Lisa Mona Lisa” landete er auf dem letzten Platz, seine Reaktion auf die folgende mediale Schelte waren die Single “Danke Österreich” und das Kabarettprogramm “Schrott sei Dank”.

Letztes Album von Wilfried: “Gut Lack”

Danach war die Schauspielerei ein wichtiger Bestandteil seines Lebens, ohne Musik ging es aber eigentlich nie. Mitte der 90er-Jahre gründete er das A-Capella-Projekt 4xang – “ein Männer-Xangsverein auf der Suche nach dem Sinne des Singens”, so Wilfried, der sich mit dem Mix aus Volksmusik, Jazz und Blues einmal mehr “der eifrig um sich greifenden Schubladisierung und der allgemeinen Programmtauglichkeit für einheimische öffentliche Medien” entzog. Später wurde er auf der Suche nach Kollaborationspartnern gar in der eigenen Familie fündig: Mit Sohn Hanibal, Teil der erfolgreichen Wienerlied-Combo 5/8erl in Ehr’n, gab es die Jazzformation Fathers’n’Sons zu erleben, später mit seinen langjährigen Bühnenbegleitern Orges Toce (Gitarre) und Heinz Jiras (Keyboard) die Neue Band. Interpretiert wurden des Vaters Hits von einst, neu arrangiert vom Sohn.

Und auch an “Gut Lack” werkelte Hanibal eifrig mit. Ein Album, das durch die Bank positiv aufgenommen wurde und das “in seinen Einzelteilen genauso überzeugt wie in seiner Gesamtheit”, urteilte etwa “Der Standard”. Es sollte die letzte Platte von Wilfried werden, den Wegbegleiter Walter Gröbchen von Monkey Music als “ungeheuer positiven, kraftvollen, vorbildlichen Künstler und Mensch” bezeichnete. “Mit Wilfried verliert Österreichs Musikszene einen wahrhaft Wagemutigen, der bis zuletzt immer neue Wege gesucht und beschritten hat”, so Gröbchen.

In memoriam Wilfried: Programmänderungen in ORF und Servus TV

Mit Wilfried verliert die Austropop-Szene einen ihren prägendsten Protagonisten. Dem Sänger, Produzenten und Entertainer, der am gestrigen Sonntag im Alter von 67 Jahren verstorben ist, sind dementsprechend etliche Programmpunkte in Funk und Fernsehen gewidmet. So stehen etwa die Ö1-“Spielräume” (17.30 Uhr) heute im Zeichen von Wilfried Scheutz, aber auch die FM4-“Homebase Parade” (21 Uhr).Dort ist ein Interview mit Wilfried zu hören, das anlässlich seiner erst vor knapp einem Monat erschienen Platte “Gut Lack” entstanden ist. Eine Stunde lang werden dabei neben dem Gespräch, das Al “Bird” Sputnik führte, auch alte wie neue Songs des Musikers gespielt. Nachrufe sind unterdessen auch im weiteren Programm von Ö1, Ö3 sowie in der aktuellen Berichterstattung auf ORF eins, ORF 2 und ORF III angesetzt – u.a. im “Kulturmontag” sowie den “Seitenblicken”.

Am morgigen Dienstag bringt Servus TV ein Porträt von Rudi Dolezal über Wilfried, das im Rahmen der Reihe “Austropop-Legenden” entstanden ist. Im Anschluss an die Doku, die um 22.05 Uhr angesetzt ist, bringt der Privatsender außerdem “Wilfried in Concert: Wieder da! Live in Wien”, eine Konzertaufzeichnung aus dem Jahr 2013.

(apa/red)

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