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Aufdecker-Journalist Wallraff: "Wir sind zu einem Billiglohnland geworden"

Deutscher Aufdecker-Journalist, Günter Wallraff, fürchtet Aushöhlung der Sozialstandards. Deutscher Aufdecker-Journalist, Günter Wallraff, fürchtet Aushöhlung der Sozialstandards. - © APA
Aus Sicht des Aufdecker-Journalisten Günter Wallraff befindet sich Europa in einer Abwärtsspirale. Aus Angst davor, dass die Produktion in Schwellenländer ausgelagert werde, habe Europa seine sozialen Standards ausgehöhlt. In vielen europäischen Staaten, darunter in Deutschland und auch in Österreich gebe es immer mehr Sozial-Dumping.

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"Wir sind zu einem Billiglohnland geworden", sagte Wallraff am Donnerstagabend in Wien. Das Netzwerk Soziale Verantwortung hatte Wallraff zum Thema Corporate Social Responsibility eingeladen.

"Moderne Sklaverei" bei GLS

Als Beispiel nannte Wallraff seine aktuelle Reportage beim Paketzusteller GLS. Seit dem Aufdecken der Zustände in der Paketdienstleiterbranche habe er hunderte Hilferufe erhalten. Die Branche stehe unter Rechtfertigungsdruck. Die Paketfahrer kommen laut Wallraff auf einen Stundenlohn von nur zwei, drei Euro. Wallraff will "da dran bleiben". Er ist überzeugt, dass sich was ändere. Momentan bereitet er einen Musterprozess eines Subunternehmers gegen GLS wegen Scheinselbstständigkeit vor. Die Schwierigkeit dabei sei allerdings, dass sich kaum jemand traut, gegen den Konzern rechtlich vorzugehen, erzählte Wallraff vor Journalisten.

Die Entscheidung, die Reportage im deutschen Privatfernsehen RTL auszustrahlen, sei im Nachhinein die richtige gewesen, sagte er. So habe er mehr Jugendliche erreicht. Generell bemerkt Wallraff, dass jüngere Leute wieder solidarischer werden. Die deutschen Gewerkschaften würden nach einem Mitgliederschwund jetzt wieder steigende Mitgliederzahlen verzeichnen.

Arbeitsrecht für Arbeitgeber

Das sei auch wichtig, denn Wallraff ortet einen Trend, dass Konzerne immer öfters gegen "unliebsame Betriebsräte" vorgehen. Deutsche Autohersteller etwa würden die Belegschaft in Subfirmen, Leiharbeiter und Stammpersonal spalten. Insgesamt fünf Millionen Deutsche arbeiten unter dem Existenzminimum, zählte Wallraff auf. Anwälte haben sich laut Wallraff auf "Arbeitsrecht für Arbeitgeber" spezialisiert. Mit "Psycho-Terror" und kriminellen Methoden würden kritische Belegschaftsvertreter aus den Unternehmen geekelt.

Wallraff prophezeit Kollaps

Prekäre Arbeitsverhältnisse sieht Wallraff auch bei Callcentern oder bei Großschlächtern. Generell seien immer mehr Branchen betroffen. In Deutschland liege die Lebenserwartung von Menschen, die unter 1.000 Euro verdienen, zehn Jahre unterhalb jener von Besserverdienern. Wallraff: "Reiche werden immer reicher, Arme immer zahlreicher." Für die nächsten zehn Jahre ist er pessimistisch, das Sozialsystem breche ein. "Ich sehe einen Kollaps", prophezeite er. (APA)

Ausbeutung beim Paketdienst GLS

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