29. April 2010 07:23; Akt.: 29.04.2010 07:23

Antibiotika-Einsatz gegen Feuerbrand

Jetzt wird mit Antibiotika gegen den gefährlichen Feuerbrand vorgegangen Jetzt wird mit Antibiotika gegen den gefährlichen Feuerbrand vorgegangen - © VN
Schwarzach/Lustenau - Zur Bekämpfung des Feuerbrands sind am Mittwoch an zwei Birnbaum-Feldern in Schwarzach und Lustenau Antibiotika eingesetzt worden, teilte die Landwirtschaftskammer Vorarlberg Mittwochabend mit. (2 Kommentare)

Die derzeit warmen Temperaturen haben in Vorarlberg den Einsatz des Antibiotikums Streptomycin gegen die Pflanzenkrankheit Feuerbrand nötig gemacht. Das Mittel wurde auf einer Fläche von rund vier Hektar in vier Obstbaubetrieben in Höchst (Bezirk Bregenz) ausgebracht, am Donnerstagabend könnte ein weiterer Einsatz in einer kleineren Anlage in Hard (Bezirk Bregenz) unausweichlich werden, so Ulrich Höfert von der Landwirtschaftskammer Vorarlberg (LWK). “Unsere Sorgenkinder sind derzeit empfindliche Birnensorten, die schon bei geringem Befall schwer geschädigt werden und absterben”, erklärte der Experte.

Mehrere Tage mit Temperaturen über 20 Grad während der Kernobstblüte begünstigen eine Ausbreitung des Bakteriums. Dieser Tage sei man vielfach sogar deutlich über der kritischen Temperaturgrenze gelegen, so Höfert. Bei Apfel- und robusteren Birnensorten liege die Feuerbrand-Gefahrenstufe momentan bei vier auf der fünfteiligen Skala, ein Ansteigen auf Stufe fünf sei jedoch durchaus möglich. Betroffen seien alle Tallagen. Ab Samstag wird mit einer Abkühlung gerechnet, damit könnte die Infektionsgefahr vorerst zurückgehen. “Für die Obstbauern gilt es, diese Woche zu überstehen”, erklärte Höfert.

Über das Interreg IV-Projekt “Gemeinsam gegen Feuerbrand” werden Alternativen zum Streptomycin gesucht. Das vielversprechende Mittel “Antinfek fb” werde heuer von der Herstellerfirma nicht produziert, vermutlich aus firmentaktischen Gründen in Hinblick auf eine reguläre Zulassung als Pflanzenschutzmittel, so der LWK-Fachmann. Ein Präparat namens “Akasoil”, das “Antinfek fb” recht ähnlich sei, wurde erst im März in die Versuchsreihe eingebracht. Am Mittwoch habe man damit in Schwarzach (Bezirk Bregenz) und Lustenau Birnenkulturen behandelt, am Donnerstag kam es auch an Bäumen in Schlins (Bezirk Feldkirch) zum Einsatz. Erste abblühende Apfel-Sorten in Koblach (Bezirk Feldkirch) und in Höchst wurden mit dem Blattdüngemittel “Folanx Ca29″ behandelt. Man hoffe, dass die Teilwirkung ausreiche, um einen starken Befall zu verhindern, so Höfert.

Hobby-Gärtner könnten derzeit wenig mehr tun, als in einigen Wochen ihre Bäume auf möglichen Feuerbrandbefall hin zu untersuchen. Wer noch kleine, frisch gepflanzte Obstbäume habe, könne die Blüten abzupfen. Eine Behandlung mit Pflanzenschutzmittel oder Benetzen mit Wasser – kurz alles, bei dem die Blüte mit Feuchtigkeit in Kontakt kommt – sollte derzeit unterlassen werden, riet der Experte.

Vorarlberg kämpft seit 1993 gegen den Feuerbrand, seither hat sich die Pflanzenkrankheit über ganz Österreich verbreitet. Das Bakterium gilt als hochansteckend, erkrankte Bäume und Sträucher bedeuten einen Infektionsherd für die ganze Gegend. Ein Heilmittel gibt es nicht. Der Einsatz des Antibiotikums Streptomycin, das das Infektionsrisiko eindämmen kann, gilt als sehr umstritten. 2009 kam Vorarlberg ohne dessen Einsatz aus.



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