Anno Irgendwann: Siedeln im Jahr 2070

Von VOL.at / Alf Waibel
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Anno 2070: Ein Blick in die Zukunft Anno 2070: Ein Blick in die Zukunft - © Ubisoft
Da war sie wieder – die magische Neun: 1603, 1504, 1702 und nu? 1801 würde man meinen. Weit gefehlt – eines der beliebtesten Aufbaustrategiespiele mit hohem Wirtschaftsanteil geht mit Warp 5 ab in die Zukunft. Anno 2070 heißt die neue Strategieperle aus deutschen Landen. Abseits vom weichgespülten Casualmarkt bietet der Titel wieder, was Fans der Reihe sich wünschen: Easy to learn, difficult to master. Das ganze in atemberaubender Optik und zu aktuellem gesellschaftspolitischem Stand – ein Blick in eine mögliche Zukunft der Menschheit.

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Bienen Züchten ist Out – es lebe der Atommeiler. Oder soll´s doch der grüne Weg in die Zukunft sein – mit Windkraftwerken und Solarstrom? Karrieresüchtige streben nach Expansion und harten Fakten in Form von wirtschaftlichem Erfolg. Doch wie so oft liegt der Schlüssel im erfolgreichen Mix. So auch in Anno 2070.

Ubisoft-typisch ist die Registrierung des Games kein Zuckerschlecken: Den Lizenzkey tippt man sich am besten in ein Word Doc und fügt es per Copy and Paste beim nachfolgenden Installationsprozedere insgesamt dreimal ein. Danke Ubisoft – so wird uns Gamern nicht langweilig während des Installierens.

Wenn diese Hürde geschafft ist, kann es losgehen mit einer von zwei Missionen. Anfangs hat man die Wahl zwischen Umweltschutz mit den Ecos, oder der Zerstörung der Natur mit den Tycoons, die auf maximale Effizienz und Ausbeutung von Ressourcen setzen. Später im Verlauf der Kampagne gesellt sich mit den Techs eine dritte neutrale Fraktion hinzu, mit denen man sogar unter Wasser bauen kann. Insgesamt spielen sich die Tycoons direkter und effizienter, aber auch mit einem höheren Risiko durch den Raubbau an der Umwelt.  

Das Spielgeschehen selbst gestaltet sich Anno-typisch und im Verlauf der Kampagne zuweilen langatmig und insgesamt eher anspruchsvoll. Wobei man sagen muss, dass der Einstieg und die Lernkurve angenehm ansteigend konzipiert sind und das Spielen Spaß macht. Aber das Endgame ist nichts für zarte Gemüter und fordert selbst erprobte Strategen. Letztere greifen statt der Kampagne wohl dann auch gleich zum Endlosspiel mit all seinen Zusatzansprüchen wie feindlichen Fraktionen und Katastrophenszenarios. Der Multiplayer macht erfahrenen Spielern im Endlosmodus sicher am meisten Spaß – wer mehr auf Miteinander steht, der findet im kooperativen Bewältigen von bekannten Szenarien aus der Kampagne seine Erfüllung. 

Während also die Tycoons die Welt mit Atomkraft und Ölplattform in der aktuell heute auch vorherrschenden geopolitischen Situation an den Rand des Untergangs bringen, gewinnen zumindest in Anno 2070 die Ecos mehr an Einfluss und dürfen ihre Weltrettungspläne in die Realität umsetzen. Doch weil Windkraft und Solarstrom mehr Power bringen, und zudem Platz brauchen, geht die Expansion mit den Umweltschützern langsamer vonstatten. Die Techs schließlich können zwar auch im und unter Wasser bauen, allerdings fordert deren Bevölkerung auch bestimmte Ressourcen, die nur unter Wasser zu bekommen sind. Die Techs sind dann auch der interessante Aspekt des Spiels, da nur diese Fraktion neue Technologien erforschen kann. Ein möglicher Aspekt der Zukunft der realen Menschheit? Jedenfalls interessant, was Ubisoft da an Philosophie transportiert.

Aufgebohrte Kriegsführung

Neben dem friedlichen Aufbauen und Expandieren hat Anno 2070 auch einen sehr beeindruckenden Kriegsmodus eingebaut. Zwar bleibt der Titel im Kern ein Aufbauspiel, jedoch wurden die kriegerischen Optionen beeindruckend erweitert. Aber wo Krieg ist, existiert naturgemäß auch Frieden – so hat der Aspekt der Diplomatie eine wesentliche Bedeutung in Anno 2070. Sich bei verschiedenen Fraktionen einzuschleimen ist ein bestimmender Spielverlaufsfaktor.

Aber ob Zukunft oder Vergangenheit, ob Weizenfarm oder Solarkraftwerk – Anno bleibt Anno. So geht es auch hier darum, Siedlungen hochzuziehen und sein Volk in eine hoffentlich erfolgreiche Zukunft voller Wohlstand zu führen, was letztendlich Voraussetzung für den Aufstieg auf eine höhere Entwicklungsstufe der Zivilisation bedeutet. Der Schlüssel dazu lautet im wesentlichen Energie – hergestellt eben aus fossilen oder erneuerbaren Ressourcen. 

Technisch ist den Entwicklern mit Anno 2070 einmal mehr ein großer Wurf gelungen. Ich persönlich würde Anno 2070 zum best aussehendsten Aufbaustrategiespiele küren – und es ist mit Sicherheit eines technisch beeindruckendsten Titel des Jahres 2011. Ob Gebäude, Landschaften und Fahrzeuge – alles wurde mit hochauflösenden Texturen und feinen Partikeleffekten versehen. Zudem wurde das meiste davon animiert, auch Gebäude sind nicht mehr nur statische Gebilde. Das erstaunlichste daran: Die Systemanforderungen sind ob des gebotenen sehr bescheiden gehalten – hier haben die Entwickler die schon sehr gute Engine noch einmal bestmöglichst optimiert. Auch akustisch braucht sich Anno 2070 nicht zu verstecken und wurde stimmig inszenziert. Unter dem Strich eine großartige Leistung der Entwickler. 

Fazit

Ob 1801 oder 2070 – Ubisoft hat abgeliefert. Zwar erscheint der Sprung in eine derart entfernte Zukunft ein gewagter Schritt – weg vom romantisch verträumten Mittelalter-Setting hin zu einer Welt in der Zukunft, aufbauend auf einer möglichen Entwicklung des heutigen Standes. Geopolitisch und Umweltpolitisch betrachtet regt Anno 2070 zum Nachdenken an. Die Umsetzung ist sehr spannend inszeniert – Scheiss auf Blümchen – wir wollen Expansion um jeden Preis? – Dann müssen wir auch die Quittung dafür übernehmen. Hundert Prozent Umwelt mit Solarstrom und Windkraft? Dann müssen wir auch lernen, umzudenken. Ein Baum wächst langsam, die Natur verschwendet keine Ressourcen. Oder ist die Zukunft der Menschheit zum Teil in den Ozeanen zu finden, die immerhin 70 Prozent dieses Planeten bedecken? Jedenfalls zeichnen die Entwickler mit der im Verlauf der Kampagne dazu kommenden Techs und deren technologischen Entwicklung ein interessantes Bild einer möglichen Zukunft der!

  Menschheit. Insgesamt ist Anno 2070, vom für Ubisoft mittlerweile typischen aber deutlich übertriebenen Kopierschutzaspekt des Spiels eines der gelungensten Aufbaustrategiespiele, die es gibt. Und sicher einer der Anwärter auf Spiel des Jahres 2011. Aber Casuals aufgepasst: Leicht ist das Spiel im Endeffekt nicht. In der Tiefe ist Anno 2070 ein hübsches Spiel mit enormem Tiefgang.

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