Vorarlberger Autor Andreas Gabriel über Krebs: “Schwächen zugeben ist eine Stärke”

Von Martin Begle / WANN & WO
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In "Tod Ernst - der Krebs und ich" hat Andreas Gabriel (59) seine Erfahrungen mit der Krankheit verarbeitet.
In "Tod Ernst - der Krebs und ich" hat Andreas Gabriel (59) seine Erfahrungen mit der Krankheit verarbeitet. - © MiK
In “Tod Ernst – Der Krebs und ich” hat der Vorarlberger Lehrer, Sänger, Kabarettist und Autor Andreas Gabriel (59), seine Erfahrungen verarbeitet. Mit der “Wann & Wo” sprach er darüber, wie der Krebs sein Leben verändert hat.

„Mein Tod heißt Ernst und eines kann ich jetzt schon sagen: Er hat mein Leben bereichert“, lauten die letzten Zeilen des Vorworts des bei Unartproduktion erschienenen Buches. „Der Ernst kommt zu jedem“, sagt Autor Andreas Gabriel, der die schicksalhafte Begegnung auf diese Weise verarbeitet hat. In „Tod Ernst – Der Krebs und ich“ nimmt er sich diesen vielschichtigen Themas an. Es ist eine Auseinandersetzung mit dem Tod, oft auch im direkten Dialog. „Als ich die Diagnose Lungenkrebs erhielt, habe ich gleich begonnen, ein Buch darüber zu schreiben. Das war mein Weg, das alles auf eine andere Ebene zu bringen, weg von dieser ,Immer-Krebs-Ebene‘“, erklärt Gabriel.

„Jetzt musste ich auch“

2012 veröffentlichte Andreas Gabriel das „Tagebuch einer Operation“, eine Dokumentation der OP seines ältesten Sohnes mit Epispadie (Harnröhrenspaltung). „Es war ein Weihnachtsgeschenk. Ich habe den Kindern gesagt, dass sie etwas Persönliches bekommen, es aber einfordern müssen. Mein Sohn sagte, er wolle ein Buch von mir. Das Thema – eine OP am Penis – war schwierig. Er wurde deswegen sogar angegriffen. Ihm hat es bei der Aufarbeitung des Tabuthemas aber sehr geholfen. Als ich dann meine Diagnose bekommen habe, war ich verhaftet – jetzt musste ich über meine eigene Krankheit auch ein Buch schreiben (schmunzelt).“

„Bizarre Gedanken“

„Angst hatte ich keine, es war mir wurscht. Okay, dann habe ich jetzt Krebs. Ich dachte aber schon, dass das Sterben weh tun könnte“, erzählt er. „Schließlich habe ich mich dann gefragt, warum das bei mir so ist. Man beginnt ganz anders nachzudenken, hat mitunter auch bizarre Gedanken. Selbstreflexion ist nicht immer angenehm, aber so konnte ich einen Schritt zurück gehen. Ich wollte kein Buch über die Tristesse schreiben, darum gibt es auch einige sehr humorvolle Passagen. Das hat mir sehr gut getan und ich halte es für sehr wichtig, sich das zu behalten.“

„Tod Ernst“

Der Tod, Ernst, ist im Buch der ständige Begleiter von Andreas Gabriel und stellt sich ihm auch bald persönlich vor. In diesen fiktiven, oft witzigen Gesprächen mit Tod Ernst geht es natürlich um den Krebs, er spricht (oder mailt) mit ihm aber auch über gesellschaftspolitische und philosophische Themen. „Viele Bereiche, die mit dem Ernst zu tun haben, sind gesellschaftliche Tabus. Die Leute meinen es gut, wissen aber oft nicht, wie sie damit umgehen sollen. Viele halten es für eine Schwäche, aber Krebs ist einfach eine Krankheit. Das sind Dinge, von denen man erzählen darf. Schwächen zuzugeben ist eine Stärke! Krebs muss kein Todesurteil sein und es ist doch vollkommen falsch, jemanden, der krank ist, nicht als vollwertige Person zu sehen“, betont der Autor. „Nachdem ich das Buch geschrieben hatte, kamen mehr Leute auf mich zu, was mir jetzt ein sehr gutes Gefühl gibt.“

Kinder als Vorbild

Besonders interessant findet Andreas Gabriel, wie seine beiden jüngsten Kinder (6 und 7 Jahre) mit der Thematik umgegangen sind: „Ich selbst habe sehr lange gebraucht, bis ich das Wort ,Krebs‘ überhaupt sagen konnte. Da ist es kein Wunder, dass sich andere auch fragen, wie sie mit mir umgehen sollen. Kinder haben keine Scheu und fragen, wenn sie etwas wissen wollen. Diese unbedarfte Offenheit hat mir sehr imponiert. Irgendwann konnte ich dann statt: ,Ich hab’ da ein Karzinom…‘ sagen: ,Ich habe Krebs.‘“

„Nicht alles war schlecht“

Die Diagnose Lungenkrebs hat den Gymnasiallehrer dazu gebracht, mehr über sich selbst nachzudenken. „Lange dachte ich, mich nicht um meine Gesundheit sorgen zu müssen. Bei den sieben Chemotherapien und 23 Bestrahlungen hat es eigentlich gut funktioniert, aber dann musste ich eingestehen, dass vieles nicht mehr geht. Natürlich habe ich Nachwirkungen, bei der Operation wurde mir die halbe Lunge entfernt. Das wird immer ein Rucksack bleiben. Alte Gewohnheiten sind schwer abzulegen, aber ich habe gelernt, Prioritäten zu setzen. Kann man sich einer Sache nicht zu 100 Prozent widmen, kann man sie gleich bleiben lassen.“

(Wann & Wo)

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