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An der Seite der Verbrecher

German Bertsch zählt heute zu den Arriviertesten der Juristenszene. German Bertsch zählt heute zu den Arriviertesten der Juristenszene. - © VOL.AT/ Hartinger
von VN/Christiane Eckert - Feldkirch – Als ­Strafverteidiger kämpft German Bertsch dafür, dass selbst Schwerkriminelle einen fairen Prozess bekommen.

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Seit 25 Jahren ist der Jurist im Geschäft. Vor über 40 Schwurgerichten ist der 50-Jährige als Strafverteidiger aufgetreten und über 250 Mal hat er in Innsbruck in zweiter Instanz für ein milderes Urteil gekämpft. Auch Junganwälte bildet German Bertsch aus. Nicolas Stieger etwa, mittlerweile selbst erfahrener Strafverteidiger, ist bei dem Feldkircher Rechtsanwalt „in die Lehre gegangen“.

Bertsch ist ein Routinier. Doch einzelne Fälle wie der Mord an der 16-jährigen Jelena im Jahr 2008 gehen selbst ihm nahe. Ein Freund erschlug das Mädchen damals mit einer Bratpfanne. Der Angeklagte bekam 17 Jahre Haft. Ein anderer Fall, der dem Verteidiger in trauriger Erinnerung blieb, ist jener eines Drogenabhängigen, der in Holland einen Pensionisten grausam erwürgte. Der Täter bekam 18 Jahre. Aber: „Auch die Schicksale der Opfer belasten einen“, gibt German Bertsch zu.

Unliebsame Prozesse

Viele seiner Anwaltskollegen lehnen derartige Verteidiger-Fälle ab. Auch Sexualdelikte sind in Kanzleien sehr unbeliebt. German Bertsch übernimmt sie alle. An die 15 Mal pro Jahr werden unliebsame Prozesse auf ihn abgewälzt. Die Hälfte davon sind Sexualstraftaten. „Jeder hat das Recht auf ein faires Verfahren und einen Verteidiger. Außerdem – irgendjemand muss es schlussendlich sowieso machen“, erklärt Bertsch nüchtern. „Man muss den Mandanten reinen Wein einschenken“, bekräftigt der Strafverteidiger. Dass bei einem Schuldspruch Haftstrafen bis zu 15 Jahren warten, sagt er beschuldigten Schwerverbrechern klipp und klar. Ansonsten sind Beschwerden und Streitigkeiten ums Honorar vorprogrammiert. „Oft erwarten Angehörige ein Wunder und sind enttäuscht, wenn der Sohn oder Bruder für Jahre ins Gefängnis muss.“ Wirklich angefeindet wurde German Bertsch dennoch nie.

Bereits als Jugendlicher verfolgte German Bertsch in den Medien große Prozesse mit Interesse. „Wenn ich nicht die Anwaltslaufbahn eingeschlagen hätte, wäre ich Senner geworden, wie es mein Vater auch schon war“, sagt der naturverbundene Bregenzerwälder mit einem Schmunzeln. Seine Freizeit verbringt er auf seiner „Brand“-Alpe in Damüls. „Ansonsten entspanne ich mich gerne in geselligen Runden, beim Wandern oder auch bei Fußballspielen. Ich selbst spiele in meinem Alter natürlich nicht mehr, aber ich schau mir Spiele gerne an“, sagt der leidenschaftliche Bayern-Fan. Außerdem ist German Bertsch ein Anhänger von Raja de Casablanca, einem marokkanischen Fußballklub. „Meine Frau ist nämlich Marokkanerin“, erzählt der Anwalt verschmitzt. Aus dem Strafrecht zurückziehen will der Rechtsanwalt sich noch lange nicht, schließlich zählt er mittlerweile zu den gefragtesten Strafverteidigern im Land.

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