Am Anfang war der ausverkaufte Nachtzug

Von Gemeindereporter Edith Rhomberg
Ulrich Gabriel, Ligia Fonseca, Adrian Vonwiller (vl)
Ulrich Gabriel, Ligia Fonseca, Adrian Vonwiller (vl) - © Edith Rhomberg
Adrian Vonwiller und Ligia Fonseca berichten und lesen von ihrer Weltreise durch 44 Länder.

Dornbirn. Was ist das für eine Lesung, an deren Ende ein Befehl vernommen wird? Vielleicht eine amüsante, aber mit Sicherheit eine ganz besondere. Bei dem Buchtitel „Superman im Vogelkäfig“ konnten sich die Besucher immerhin im Vorfeld schon auf ein gewisses Pensum an Überraschungen freuen. Der Schweizer Adrian Vonwiller und die Brasilianerin Ligia Fonseca erzählten am vergangenen Samstag von ihren bemerkenswerten Erlebnissen und unvorhersehbaren Ereignissen während einer langen gemeinsamen Reise. Diese führte sie während 825 Tagen über drei Meere sowie durch vier Kontinente und 44 Länder.

Aufbruch zu einer Weltreise

Adrian, der Autor – er ist übrigens nicht der Superman aus dem Buch – und Ligia, die Fotografin, hatten jeweils acht Kilo Reisegepäck im Rucksack dabei für ihr ursprüngliches Vorhaben, ein Jahr um die Welt zu fahren. Dass dabei jedes Gramm durchdacht und abgewogen war, kann sich jeder sehr gut vorstellen, der mal eben so mit 20 Kilo im Koffer für eine Woche nach Teneriffa fliegt. Fliegen wollten sie übrigens möglichst wenig, als sie planten, mit Zug, Bus, Schiff oder per Autostopp durch ganz Asien bis in die Südsee und dann von Kalifornien bis nach Brasilien zu reisen. Und sie hatten auch an alles gedacht.

Aber wirklich an alles? Da war zunächst die Sache mit dem Zug. Als sich die beiden an einem warmen Sommerabend Anfang August des Jahres 2010 am Bahnhof einfanden, erhielten sie die Auskunft: „Sorry, der Zug nach Venedig ist ausverkauft, versuchen Sie es morgen wieder!“ Der Autor dazu im Buch: „Wie doof sind die!“, dachte ich mir leicht genervt, „das war ja immer der große Vorteil der Bahn gegenüber dem Fliegen, dass man da eben spontan entscheiden konnte, zu reisen, nämlich dann, wenn es einem passt, und nicht drei Wochen im Voraus buchen muss. Und jetzt geben die diesen wertvollsten Trumpf, den sie haben, leichtfertig aus der Hand. Wie dumm!“

„Was sollten wir machen, meine Freundin Ligia und ich? Wir hatten unsere bisherige Existenz aufgegeben, unsere Wohnung in Wien gekündigt, alles abgemeldet, alle unsere Bücher und unser Vinyl in eine Lagerbox verfrachtet, die Post abbestellt und Visa für alle erdenklichen Ziele in Zentralasien besorgt. Und jetzt das!“

Ihm als altem Interrailer solle man ja nicht so kommen, schreibt er weiter. Was war also sein Plan? Ganz einfach – ohne Ticket zum Zug gehen und einsteigen! Was der Schaffner dann tun würde, wenn der Nachtzug nach Venedig erst mal durch die stillen Voralpen Österreichs braust, würde man ja sehen …

Aus der beträchtlichen Fülle an außergewöhnlichen Erlebnissen in vieler Herren Länder, die locker und witzig beschrieben daherkommen, wählte der Autor wenige Passagen für die Lesung in Dornbirn aus. Gerade genug, um noch mehr Neugierde auf das Buch zu erwecken. Der Text dafür entstand aus Hunderten von E-Mails an Freunde. Die Fotos sind eine Auswahl von 16.000 Aufnahmen.

Dieser Abend im beschaulichen Ambiente des TiK wurde gemeinsam veranstaltet von Unartproduktion und Weltladen Dornbirn. Ein zusätzliches Schmankerl zu den Reiseabenteuern war die kubanische Musik vom Feinsten, die Adrian Vonwiller aus seiner Sammlung auflegte.

Der eingangs erwähnte Befehl erfolgte schließlich nach launig erzählten Episoden und 180 Seiten nach Venedig. Er lautete sinngemäß, dass es höchste Zeit sei, Havanna jetzt und sofort zu besuchen, weil es so nie wiederkehre, genauso wenig wie das London der 1960-er Jahre.

Weitere Informationen unter: www.unartproduktion.at

Superman im Vogelkäfig ISBN-13: 978-3901325878

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