Alles hängt an der Zahl der Freiwilligen pro Jahr

Von VN/Thomas Matt
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Jedes Jahr schließen an die 100 Vorarlberger Jugendliche ihr soziales Jahr mit Zeugnis ab. Jedes Jahr schließen an die 100 Vorarlberger Jugendliche ihr soziales Jahr mit Zeugnis ab. - © Veronika Hotz
Schwarzach - Freiwilligenjahr statt Zivildienst? Am Vorläufermodell tröpfelt das Interesse nur. Sozialminister Rudolf Hundstorfer gelang es bis dato nicht, die Hilfsorganisationen in der Wehrpflichtdebatte zu beruhigen. Rotes Kreuz, Caritas & Co fürchten, dass sie ohne rund 13.000 Zivildiener ihre Leistungen einschränken müssen. Ein „Aus“ für die Wehrpflicht aber würde auch den Zivildienst beenden.

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Hundstorfer hält mit dem Modell eines „Freiwilligen Sozialen Jahres“ dagegen. Es nimmt Anleihen beim Bundesfreiwilligendienst, der in Deutschland bei der Abschaffung der Wehrpflicht etabliert wurde.

Ob es Hundstorfer freilich gelingen würde, mit dem Mindestkollektivvertragslohn von 1300 Euro 14 Mal pro Jahr plus Sozialversicherungsschutz genügend Freiwillige zu ködern, ist die große Unbekannte.

Freiwilliges Jahr existiert schon

Neu ist die Idee nicht. Das Freiwillige soziale Jahr wird Jugendlichen in Österreich seit 1968 angeboten. Heuer machen in Vorarlberg 105 Frauen und Männer davon Gebrauch, in den andern acht Bundesländern sind es 280.

Sie alle erhalten ein Taschengeld und Berufsorientierung. „Und Werte werden ihnen vermittelt“, betont Claudio Tedeschi (42), der die ARGE Soziale Berufsorientierung in Vorarlberg leitet. Er bezweifelt, dass das Hundstorfer-Modell eine ähnlich gute Betreuung der Freiwilligen leisten werde. In Deutschland hätten sich zudem „hauptsächlich Hartz-IV-Empfänger freiwillig gemeldet“. Tedeschi stößt sich überhaupt am Gedanken, dass ohne Wehr- und Zivildienst künftig jede Verantwortung einfach delegiert würde. „Dann fühlt sich niemand mehr zuständig.“

Wehrpflicht seit 1956

Mit der Wehrpflicht ginge ein fast 60-jähriges Stück der zweiten Republik zu Ende. 1955 wurde die allgemeine Wehrpflicht nach dem Staatsvertrag gemeinsam mit dem neuen österreichischen Bundesheer eingeführt. Ab 1952 hatte die „B-Gendarmerie“ Vorarbeit geleistet. 6000 ehemalige B-Gendarmen bildeten 1956 den Kader des jungen Heeres.

Österreichs Neutralität war Voraussetzung für den Staatsvertrag. Das Bundesheer sollte diese Neutralität verteidigen.

Der erste Einrückungstermin für 12.800 Österreicher war der 15. Oktober 1956. In Vorarlberg nahmen 380 Mann die Uniform. Fast 20 Jahre lang mussten sich die Präsenzdiener neun Monate verpflichten. Die Alternative war aus Religions- oder Gewissensgründen der Präsenzdienst ohne Waffe. Bis 1974 beantragten den 3277 Österreicher, 3266 Anträge hat die Kommission befürwortet. Anfang der 1970er-Jahre zog Bruno Kreisky dann mit dem Slogan „Sechs Monate sind genug“ in den Wahlkampf. Nach Beginn seiner Kanzlerschaft wurde der Wehrdienst tatsächlich auf sechs Monate verkürzt, allerdings kamen 60 Tage Waffenübungen dazu.

Seit 1975 Zivildienst

Ab 1975 stand mit dem Zivildienst ein echter Wehrersatzdienst zur Verfügung. Ob die für den Zivildienst verlangten Gewissensgründe akzeptiert wurden, entschied vorerst weiter eine Kommission. Erst seit 1991 reicht eine Erklärung, dafür wurde der Zivildienst in Schritten auf zwölf Monate verlängert. Unter Verteidigungsminister Günther Platter (VP) wurde 2006 der Präsenzdienst auf sechs, der Zivildienst auf neun Monate verkürzt.

Heute ist der Zivildienst so bedeutend geworden, dass ausgerechnet das ehemalige Feindbild des Bundesheers nun seinen Erhalt retten könnte.

Katastrophenhilfe des Heeres 2009 und 2010

  2009 2010
Landstreitkräfte    
eingestezte Soldaten 3030 1491
Manntage 27.344 12.848
Mannstunden 332.256 139.624
Luftstreitkräfte    
Flugstunden 670:32 259:57
Personen-Lufttransport 2164 1490
Material-Lufttransport 515,80t 297,79t
Löschwasser-Lufttransport 616.900l 358.300l
Windeneinsätze 104 104

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