Alevitin mit Kopf und Herz

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Nurcan Bakmaz im Alevitischen Zentrum in Weiler. Nurcan Bakmaz im Alevitischen Zentrum in Weiler. - © VOL.AT/ Hartinger
Weiler (VN-ib) - Nurcan Bakmaz, Obfrau der Vorarlberger Aleviten, feiert mit ihrem Verein 20-jähriges Jubiläum.

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Die Türen des Kulturzentrums in Weiler stehen offen. „Wir können nicht abgeschottet leben, das wäre auch nicht im Sinne des Alevitentums“, sagt Nurcan Bakmaz. Sie ist die Obfrau der Vorarlberger Aleviten, die als Verein gerade 20-jähriges Jubiläum feiern.

An die 7000 Aleviten leben in Vorarlberg. „Wir sind eine eigenständige Religionsgemeinschaft, die ihren Ursprung im Islam hat, sich aber in eine andere Richtung entwickelt hat“, erklärt sie. Einflüsse aus anderen Kulturen und Religionen wurden aufgenommen, etwa dem Buddhismus oder dem Schamanismus.

„Wir haben ein anderes Gottes- und Menschenbild. Gott ist im Menschen, dort muss man ihn suchen. Im Mittelpunkt steht bei uns immer der Mensch.“ Deshalb nimmt man auch nicht alle Gebote so genau. Der Cem, der Gottesdienst, sollte eigentlich am Donnerstag stattfinden. „Aber da hat ja niemand Zeit“, sagt Bakmaz in klarem Hochdeutsch. Deshalb trifft man sich meist am Wochenende im Vereinsheim in Weiler. Eine Moschee brauchen die Aleviten für den Gottesdienst nicht. Ein großer Raum reicht. Ramadan und die Pilgerfahrt nach Mekka gibt es für die Aleviten auch nicht. Kopftücher trägt, wer will.

Kritische Töne

Bakmaz wurde in der Türkei geboren. Als Kind kam sie nach Österreich. Seit über 25 Jahren lebt sie in Vorarlberg. Kritik äußert sie gerne, und zwar in alle Richtungen. Der türkischen Regierung steht sie kritisch gegenüber: „Wie in der Türkei mit Pressefreiheit oder Frauenrechten umgegangen wird, hat nichts mit Demokratie zu tun.“

Sich zu integrieren ist der Sekretärin am LKH Feldkirch wichtig. Auch deshalb wurde etwa im Vorjahr eine Podiumsdiskussion zum Thema in Weiler veranstaltet. „Wir sind keine Gastarbeiter mehr. Wir gehen nicht zurück. Hier ist unsere Heimat. Das muss beiden Seiten bewusst werden“, sagt sie bestimmt.

Bakmaz ist Zaza – Mitglied einer türkischen Minderheit. In ihrer Kindheit war es in der Türkei verboten, öffentlich Zazaki zu sprechen. Erst 1991 wurde das gesetzliche Sprachverbot aufgehoben. Deshalb hat sie ihre eigentliche Muttersprache nie gelernt. Die Wichtigkeit der Sprachen hat es ihr aber bewusst gemacht. Mit ihren Kindern hat sie in den ersten Jahren nur türkisch geredet. Jetzt spricht sie mit ihnen deutsch, ihr Mann türkisch. Das klappt gut. „Es braucht eine Sprache als Basis. Ansonsten kann man statt zwei plötzlich gar keine Sprache richtig.“

Zur Person

Nurcan Bakmaz
Obfrau der Vorarlberger Aleviten

Geboren: 17.11.1971
Ausbildung: Handelsschule Feldkirch
Laufbahn: Sekretärin am Landeskrankenhaus Feldkirch
Familie: verheiratet, zwei Kinder

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