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Ära Berlusconi geht definitiv zu Ende: Suche nach Nachfolger beginnt

Italiens Ex-Premier und Langzeitpolitiker Silvio Berlusconi. Italiens Ex-Premier und Langzeitpolitiker Silvio Berlusconi. - © EPA
Der Vorhang fällt endgültig über der Ära Berlusconi. Der Medienkönig, der 20 Jahre lang Italiens politische Szene prägte, hat gestern offiziell seinen Verzicht auf eine weitere Kandidatur für das Premieramt bei den italienischen Parlamentswahlen angekündigt.

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Die katastrophalen Umfragewerte seiner Mitte-rechts-Partei “Volk der Freiheit” (Popolo della Libertà), finanzielle Probleme mit seinen Medienunternehmen und Meinungsverschiedenheiten mit seiner “rechten Hand” Angelino Alfano haben den TV-Tycoon zur Kapitulation bewogen. “Ich verzichte auf die Kandidatur. Man wird ja sehen, ob jemand besser abschneiden wird als ich . Ich hoffe es aus ganzem Herzen”, sagte ein verbitterter Berlusconi zu seinen engsten Mitarbeitern.

Partei drängte zu Verzicht

Der Mailänder Großunternehmer verzichtete auf seine Kandidatur unter dem Druck des Parteigremiums, das eine katastrophale Niederlage bei den Parlamentswahlen befürchtet, sollte der gebeutelte Medientycoon zum sechsten Mal in den vergangenen 18 Jahren seine Kandidatur für das Premieramt eingereicht. “Ich bleibe aber an der Seite derer, die jünger sind und Tore schießen wollen”, sagte der fußballversessene 76-Jährige. Er habe zwar noch immer ausreichend Muskeln und einen Kopf auf seinen Schultern, doch seine Rolle werde es sein, zu beraten.

17 Jahre in der Politik

So hatte sich der dienstälteste italienische Regierungschef seit dem Zweiten Weltkrieg das Ende seiner politischen Karriere wohl kaum vorgestellt. Der Verzicht auf sein Comeback ist ein weiterer harter Schlag für das Ego Berlusconis, der seit Monaten einen schmerzhaften Niedergang erlebt. Nach 17 Jahren in der Politik musste er im vergangenen November unter Schmährufen, Pfiffen, Münzwürfen und tosendem Geschrei seine Demission als Premier einreichen. Seitdem ist er auf einer rasanten Talfahrt ohne Ende. Sein Medienkonzern Mediaset erlebt unter dem Druck der Rezession eine äußerst schwierige Phase.

Verurteilung möglich

Der Ruby-Prozess, in dem er wegen Amtsmissbrauchs und Sex mit einer minderjährigen Marokkanerin angeklagt ist, schreitet zügig voran und könnte bald mit einer Verurteilung zu Ende gehen. Sogar sein Fußballclub AC Milan erlebte den schlechtesten Saisonstart seit 1981 und rangiert auf den untersten Plätzen der Meisterschaftstabelle. Schluss mit Bunga Bunga-Storys und Callgirl-Skandalen, lautet jetzt Berlusconis Motto. Der für sein wildes Privatleben, die peinlichen Sex-Skandale und seine Macho-Allüren bekannte Mailänder führt seit Monaten ein zurückgezogenes Leben. Der Strahlemann, dem nichts peinlich war, ist laut Vertrauensleuten in eine tiefe Depression gestürzt. Ein weiterer harter Schlag sind die jüngsten Umfragen, laut denen seine Partei sogar auf ein blamables Rekordtief von elf Prozent der Stimmen schrumpfen würde, sollte Berlusconi wieder als Premierkandidat antreten.

Premierkandidat gesucht

In dieser verworrenen Situation hat in Berlusconis PdL bereits die Jagd nach dem Premierkandidaten begonnen. Vorwahlen, die voraussichtlich am 16. Dezember stattfinden werden, sollen bestimmen, wer anstelle des TV-Königs antreten wird. Mehrere Schwergewichte der Partei wollen an den Urwahlen teilnehmen. Zu ihnen zählen der seit Juli 2011 amtierende Parteichef Alfano, der sogar mit seinem Rücktritt gedroht hat, sollte Berlusconi nicht auf seine Premierkandidatur verzichten. Weitere mögliche Kandidaten sind der römische Bürgermeister Gianni Alemanno, der Ex-Landwirtschaftsminister Giancarlo Galan und die Berlusconi-Vertraute Daniela Santanché. Allen dreien fehlt jedoch das erforderliche Charisma, um Berlusconis Erbe zu übernehmen. Die Zukunft der stärksten Einzelpartei Italiens bleibt weiterhin durchaus ungewiss.

(APA)

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