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Älpler und Kühe auf Sommerfrische

Wolfgang Mertin vor einem seiner russischen Lieblingsbilder mit viel Symbolik.
Wolfgang Mertin vor einem seiner russischen Lieblingsbilder mit viel Symbolik. ©Edith Rhomberg
Der Journalist und Filmemacher Wolfgang Mertin dreht nach bewegten Jahren in Russland nun den ersten Dokumentarfilm in seiner Wahlheimat Dornbirn.
Wolfgang Mertin, Wahl-Dornbirner

 

 

Dornbirn. Ein neuer Film entsteht. Im Kopf ist das Drehbuch so gut wie fertig. Diesmal wird aber nicht in Russland gedreht werden, wie bei den außergewöhnlichen Reportagen für den Sender Arte und andere Auftraggeber davor. Diese Geschichte wird in Dornbirn beginnen und auf dem Marktplatz der Stadt enden. So lautet der Plan, wie der Journalist und TV-Autor Wolfgang Mertin der VN-Heimat verrät.

Die landschaftlichen Schönheiten Dornbirns und Vorarlbergs wird er mit dem Verlauf des Viehtriebs auf die Alpe Wöster zeigen und dazu die Geschichten der Älpler erzählen. Denn im Zentrum stehen bei ihm immer die Menschen. Das war schon so in Russland, wo er, den Spuren Amundsens und Dschinghis Khan folgend, oder zwischen Packeis und Vulkanen, unterwegs war. Schwierige Situationen auf der Eisstraße ins Polarmeer (Arte, NDR, 2017) oder beim Dreh „Die Polarschule der Nomadenkinder (Arte, NDR, 2011) meisterte er immer mit Hilfe der Bewohner und der Protagonisten des Films. Das gefährlichste Abenteuer aber passierte zweifellos, als Mertin sich auf die Fährte des Ussuri-Tigers begab, wo die Tigerfänger während der Dreharbeiten von der Raubkatze angegriffen wurden. Da wird er nachdenklich, hält inne, steht auf und geht ein paar Schritte in seinem Arbeitszimmer. „Ohne sie wäre das alles gar nicht möglich gewesen“, merkt er, noch halb in Gedanken versunken, an. Seine Frau Heilwig – mit ihr lebt er seit gut fünf Jahren in der Dornbirner Fischbachgasse – sei das Beste an seiner Zeit bei der Nationalen Volksarmee, sagt der 1942 in Ostpreußen Geborene. Er lernte sie beim Aufbau einer Radarstation in der Nähe von Wismar kennen.

„Damals, in der DDR, war alles kompliziert“, erinnert sich Mertin, der ursprünglich eine Ausbildung zum Porzellanformengießer in Meißen machte. Seinen Wunsch, viel zu erleben, sah er da nicht realisierbar. Also musste er etwas tun, und schließlich landete er in Moskau, als Korrespondent des DDR-Fernsehens. Der Weg dahin war freilich nicht einfach und schon gar nicht direkt. „Ich habe immer viel gelesen, es gab Reclam-Bände für 40 Pfennig das Stück“, so Mertin. Er las Faust, spielte in Laienspielgruppen und wollte erst unbedingt Schauspieler werden. Er bedauert es kein bisschen, dass es doch nicht geklappt hat. Beim Deutschen Fernsehfunk Berlin bekam er eine Anstellung, wo er 1963 ganz unten begann. Der wissbegierige Mann brachte es vom Transportarbeiter im Filmarchiv bis zum Autor und Moderator des Wissenschaftsmagazins „Umschau“. Das Rüstzeug dafür erlernte er über Sprecherziehung und ein Fernstudium an der Fachschule für Journalistik in Leipzig.

„Eine Stelle als Auslandskorrespondent für das DDR-Fernsehen durfte man nur als Verheirateter antreten. Die westlichen Metropolen waren als Arbeitsplätze sehr begehrt, mich hingegen hat die Sowjetunion gereizt“, erzählt er. Die Arbeit führte ihn zu den großen Gipfeltreffen zwischen Gorbatschow und Reagan nach Genf, Washington und Reykjavik. Nicht ohne Stolz gibt er so manche Anekdote von damals preis. „Wenn wir unter Tausend Korrespondenten nicht auf der Liste standen, mussten wir halt kreativ sein und den CIA überlisten“, erklärt er und lacht.

Die zwölf Jahre mit seiner Frau und Sohn Sascha (geb. 1977) in Moskau bezeichnet Mertin als eine glückliche Zeit. Das sollte aber nicht so bleiben. Mit der Wende brach das Unglück über ihn und seine Familie herein. „Alles war weg. Und wir wussten nur so viel, dass uns niemand helfen würde“. In der ausweglos scheinenden Situation – der Job und das Haus waren weg – war es seine Frau, die die rettende Idee hatte. Auf sehr geschickte Weise bauten sie aus dem Nichts einen Vertrieb auf und belieferten die Gasthäuser in Berlin mit Bierfässern.

Ab 1994 konnte Wolfgang Mertin Reportagen und Features für 360° GEO, Arte, NDR, WDR und andere produzieren. Mit wenigen Ausnahmen spielen sie in entlegenen Gegenden Russlands. „Ich kenne mich da aus, mag die Menschen und spreche ihre Sprache“, erklärt er sein Faible für das Land.

Nach Vorarlberg folgten Wolfgang Mertin und seine Frau ihrem Sohn Sascha, der schon vor Jahren wegen eines Jobs hier her kam. Die Wege für gegenseitige Besuche waren einfach zu lang. Jetzt fühlt sich der Wahl-Dornbirner hier wohl und sehr gut aufgenommen. Als Dank dafür will er, gemeinsam mit Kameramann und Assistent, Älpler und Kühe auf ihre Sommerfrische begleiten. Die Strecke beträgt 60 Kilometer, weiß Mertin. Aber das ist noch nicht alles. „Das Schwierigste“, sagt er, „ist immer die Arbeit danach“. Wenn es gilt, bis zu 30 Stunden Bildmaterial auf 52 Minuten Reportage zu komprimieren – eine Sisyphusarbeit, die mehrere Wochen Zeit in Anspruch nimmt. „Ich muss jedes Bild anschauen und aufschreiben, damit ich auf jede Einstellung zurückgreifen kann“. Die Bilder des Dokumentarfilms sollen schließlich viele Menschen dazu animieren, das Land zu besuchen, so der Wunsch des Filmemachers.

 

Wolfgang Mertin

Beruf: Journalist, TV-Autor

Geboren 25.7.1942 in Schlossberg/Ostpreußen

Familie: Verheiratet mit Heilwig, Sohn Sascha, geb. 1977

Wohnort: Dornbirn

Hobbys: Literatur (hauptsächlich als Hörbücher), Wandern, Radfahren.

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