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3000 Jahre & ein neuer Frühling

Das Wasser an den tunesischen Stränden hat den höchsten Reinheitsgrad aller Mittelmeeranrainer Das Wasser an den tunesischen Stränden hat den höchsten Reinheitsgrad aller Mittelmeeranrainer - © VN/J.Brosche
Tunesien präsentiert sich nach der Jasminrevolution wieder sicher – und absolut urlaubswert.

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Pittoreske Idylle und ernüchternde Realität liegen in Tunis unmittelbar nebeneinander. Es ist ein Sonntag im Frühling, als unsere kleine Gruppe in der Hauptstadt Tunesiens ankommt. Am zeitigen Nachmittag starten wir zu einem ausgedehnten Städtebummel: Die Medina von Tunis, die zweitgrößte im Maghreb und UNESCO-Welterbe, ist eine der schönsten und bedeutendsten Nordafrikas und sollte bei keinem Tunesien-Besuch ausgelassen werden!

Orientalisches Flair in Tunis

Die namensgebende Hauptstadt überrascht mit einer Mischung aus orientalischem und südfranzösischem Flair. Letzteres als Überbleibsel der fast 70-jährigen französischen Protektoratszeit. Marseille trifft Aladins Wunderlampe – garniert wird darüber hinaus mit einem fast drei Jahrtausende alte, historischen Erbe verschiedenster Kulturen: numidischer, punischer (man denke an die sagenumwobene Dido-Stadt Karthago), römischer, arabischer, spanischer, osmanischer und französischer.

So interessant sich Tunis präsentiert, anno 2012 erlebt der Gast eine Überraschung: Wo sich früher zahlreiche Touristen durch das enge, autofreie Gassen-Gewirr schoben (zur Freude der zahlreichen Händler), herrscht nun tote Hose. Die Geschäftchen sind zumindest am Sonntag allesamt geschlossen, Urlauber sind kaum auszumachen, Passanten gibt’s wenige, hin und wieder kicken Kinder in der Gasse. Wir schlendern völlig ungestört vorbei an weißen Palästen mit herrlichen Eingangstoren, Moscheen und kleinen Souks (Märkten). Weite Teile der Altstadt erstrahlen in frisch renoviertem Glanz – ein friedliches, beschauliches Märchen aus „1001 und einer Nacht“. Unter der Woche, betont unser Guide Slim wie zum Trost, geht es hier viel geschäftiger zu.

Spaziergang in der Neustadt

Wir finden die Einheimischen schließlich auf der Avenue Bourguiba in der französisch anmutenden Neustadt: Sie flanieren, bevölkern die Straßencafés oder plaudern auf den Treppen vor dem schönen Art-Deco-Theater. Was Insidern sofort auffällt: Viel mehr Frauen als früher tragen Kopftuch oder Schleier.

Angeblich ist das Ausdruck der neuen Freiheit: Unter dem Autokraten Ben Ali war die Präsenz des Islam in der Öffentlichkeit nicht geduldet – nun kann frau ihre Religiosität offen zeigen. Oder aber auch zum Minirock greifen. Doch hier, wenige hundert Meter außerhalb des idyllischen Gassengewirrs der Medina, verwandelt sich das friedliche Bild jäh in die harte Realität: Gewaltige Stacheldraht-Knäuel und Militärfahrzeuge sind vor offiziellen Amtsgebäuden und auf der Avenue Bourguiba omnipräsent. Das beruhigt die Menschen, und schreckt auch ein wenig ab – sagen die Einheimischen. Der Urlaubs-stimmung jedenfalls ist der martialische Anblick nicht gerade förderlich.

Neuer Straßenhandel

Szenenwechsel – tags darauf spazieren wir über die Place des Martyrs im Zentrum des beliebten Badeortes Sousse. Ein sehr weitläufiger Platz, der hinein in die Medina (Altstadt) führt. Es herrscht entspannte Stimmung und geschäftiges Treiben: Auf improvisierten Verkaufsständen wird Hausrat jeder Art feilgeboten: Schals, Sonnenbrillen, Musik-CDs, Spielsachen, Keramikwaren. „Früher hätte es das nicht gegeben! Da waren Straßenhändler verboten“, erklärt Slim die aktuelle Lage. „Früher!“ – in unseren Breiten bezeichnet „früher“ meist eine Zeit, die lange zurückliegt. In Tunesien aber ist es gerade mal etwas mehr als ein Jahr her.

Die Zäsur zum „jetzt“ zog der 14. Jänner 2011, als der verhasste Diktator Ben Ali aus dem Land floh und die Menschen sich plötzlich alles erhofften: Freiheit, Gerechtigkeit, Arbeit und ein Leben mit mehr Chancen und Würde. Heute ist in diesem kleinsten der Maghreb-Länder tatsächlich alles anders – auf seinem steinigen Weg Richtung Demokratie im Jahr eins nach der „Jasmin-Revolution“.

Im Badeort Sousse tummeln sich die ersten Touristen. Kehrt Tunesien tatsächlich auf die touristische Landkarte zurück? Tatsächlich sind Badefreuden und nicht die großartigen Kulturschätze des Landes die Haupt-Reisemotive der Tunesien-Urlauber. Die Sandstrände der Touristenzentren mit ihrem feinen, weißen Sand und türkisfarbenen Meer sind nahezu karibisch schön (was sich unmittelbar dahinter an Hotelklötzen auftürmt, ist allerdings ein anderes Kapitel). Und der Badeurlaub lässt sich auch leicht mit einer Prise Kultur garnieren.

 

REISEINFOS

» Anreise: Ganzjährig bietet Tunis Air die einzige Linienverbindung nach Tunis: Ab Wien dreimal wöchentlich, ab München und Zürich zweimal wöchentlich (Round-Ticket ab 221 Euro, www.tunisair.com). Während der Sommersaison gibt es in Verbindung mit Bade-Pauschalreisen zahlreiche, sehr preiswerte Charterflüge samt Hotelunterkunft in die Badeorte – z.B. bei Dertour, TUI, Gulet, ITS-Billa, Thomas Cook Neckermann (Angebote für eine Woche all inclusive im Viersterne-Hotel mit Flug ab ca. 350 Euro)
» Klima: Für einen Badeurlaub in Kombination mit kulturellen Besichtigungen sind die Monate April bis Juni und September bis Anfang November ideal; im Hochsommer wird es im Landesinneren unerträglich heiß, an der Küste ist es aber durchaus erträglich.
» Weitere Infos: Tunesisches Fremdenverkehrsamt in Wien, Tel. 01 5853480, E-Mail: office@tunesieninfo.at, www.tunesien-info.at.

 

VN/Jörg Brosche

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