Bereit zur inneren Einkehr - © VOL Live/Hannah Krause Die Teilnehmer des Sommercamps üben zum Beispiel eine knappe Woche lang die Meditation des Bewussten Sterbens (tibetisch „Phowa“). Diese Praxis des tibetischen Buddhismus ermöglicht es, sich schon zu Lebzeiten auf den späteren Todeszeitpunkt vorzubereiten. Es gibt aber auch einen öffentlichen Teil des Treffens mit einer 72-stündigen Meditation auf den Buddha des Mitgefühls. Diese Meditationsform trägt den tibetischen Namen Tschenresig, was auf Deutsch „Liebevolle Augen“ heißt. Weltweit werden sich zehntausende Buddhisten in rund 500 Meditationszentren an dieser Aktion beteiligen und dabei das Mantra des Mitgefühlsbuddha „Om Mani Peme Hung“ rezitieren. Den Höhepunkt des Kurses bildet der Besuch Seiner Heiligkeit des 17. Karmapa Thaye Dorje. Der 25-jährige, in Nordindien lebende Exiltibeter ist der höchste geistliche Würdenträger der tibetischen Karma-Kagyü-Tradition, die im 11. Jahrhundert gegründet wurde. Sie stellt heute unter deutschen Buddhisten die verbreiteste buddhistische Schule dar. Der Karmapa wird Vorträge halten und Einweihungen auf mehrere Buddhaformen geben, die für die Meditation im tibetischen Buddhismus wichtig sind. Weltweit gibt es nur selten die Möglichkeit, an diesen seit Jahrhunderten unveränderten Zeremonien teilzunehmen.
Lama Ole Nydahl leitet alle Veranstaltungen bis zum Eintreffen des Karmapa. Der 67-jährige Däne wurde 1972 vom 16. Karmapa beauftragt, den Buddhismus im Westen zu lehren und Kagyü-Zentren zu gründen. Seine Schüler und er haben das fast 50 Hektar große Grundstück um das Gut Hochreute, auf dem der Kurs stattfindet, im Mai 2007 für die Buddhismus-Stiftung Diamantweg erworben, um ein internationales Meditations- und Begegnungszentrum zu schaffen. Der Buddhistische Sommerkurs, der in den letzten 15 Jahren auf einem angemieteten Pfadfindercamp in der Nähe von Kassel stattgefunden hatte, wird mit bis zu 3000 gleichzeitig anwesenden Teilnehmern die wichtigste Einzelveranstaltung des Jahres sein. Die Besucher übernachten in Zelten auf dem Gelände oder in Hotels und Pensionen der Region. Während des Jahres sind kleinere Kurse, internationale Begegnungstreffen und Kulturveranstaltungen auf dem Gutsgelände geplant. Nydahl selbst reist fast pausenlos um die Welt, um Vorträge zu halten und die zahlreichen buddhistischen Zentren zu besuchen, die er in den letzten 35 Jahren im Dienst der Karma-Kagyü-Tradition gegründet hat.
Für einen Teil der aus mehr als 40 Ländern angereisten Teilnehmer bedeutet das Treffen nicht nur Meditation, sondern auch Wissens- und Erfahrungsaustausch, da sie sich ehrenamtlich in einem buddhistischen Zentrum oder Verband engagieren. Sie kommen vor allem aus Zentral- und Osteuropa, aber auch Russland, den USA und Südamerika. Für viele ist es auch eine Gelegenheit, alte Freunde wieder zu treffen. Schon seit Jahresbeginn bereitet ein internationales Team von mehr als 200 Helfern den Kurs vor. Die Aktivitäten umfassen zum Beispiel Erdbauarbeiten, den Aufbau von mehr als 4000 Quadratmetern Zeltfläche und die gesamte Kursabwicklung - inklusive Verpflegung und Kindergarten. Vom Architekten über den Zimmermann bis hin zur Ärztin bringen alle ihre Fähigkeiten ehrenamtlich ein. Während des Kurses werden weitere Teilnehmer ehrenamtliche Aufgaben übernehmen.