19 Jahre Haft für Niederländer nach Waffenhandel mit Liberia

Ein Berufungsgericht in den Niederlanden hat einen Geschäftsmann wegen Waffenhandels mit dem früheren liberianischen Präsidenten Charles Taylor zu 19 Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sah es am Freitag als erwiesen an, dass der 74-jährige Niederländer Guus Kouwenhoven während des Bürgerkriegs in dem westafrikanischen Land zwischen 2000 und 2003 Waffen an die damalige Regierung verschoben habe.

Mit der Umgehung von UNO-Sanktionen sei er beteiligt an Kriegsverbrechen, die von Taylors Einheiten in Liberia und Guinea begangen wurden, urteilte das Gericht in ‘s-Hertogenbosch. Der Angeklagte habe die Fakten stets bestritten und seine Motive nicht dargelegt. Er scheine “nicht aus politischen oder ideologischen Gründen gehandelt” haben, sondern “wegen des Profits”.

Taylor wird für eine Reihe von Bürgerkriegen in Liberia und Sierra Leone verantwortlich gemacht, bei denen zwischen 1989 und 2003 etwa 400.000 Menschen getötet wurden. Kouwenhoven, Besitzer von zwei der größten Holzhandelsgesellschaften in Liberia, verkaufte vor allem AK-47-Maschinengewehre und Panzergranaten an den später wegen Kriegsverbrechen angeklagten Taylor.

2006 hatte ein Gericht in Den Haag Kouwenhoven zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. 2008 kam er jedoch bis zu seinem Berufungsprozess auf freien Fuß. 2010 hob das Oberste Gericht der Niederlande die Entscheidung auf und verwies darauf, dass die Aussagen von zwei anonymen Zeugen der Anklage nicht berücksichtigt worden seien.

Taylor war 2003 nach einer Rebellion aus Liberia geflüchtet und hatte zunächst in Nigeria Asyl bekommen. Als sich im Jahr 2006 seine Auslieferung abzeichnete, versuchte er zu fliehen, wurde jedoch gefasst. Das von der UNO unterstützte Sondertribunal für Sierra Leone in Den Haag verurteilte ihn 2012 wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 50 Jahren Haft.

(APA/ag.)

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