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„Noch lebend wird das Fell abgezogen!“

Die Tiere werden in kleinen Käfigen gehalten und müssen unter grausamen Bedingungen leben. Ein VGT-Aktivist hat diesen Silberfuchs in Skandinavien in einer Pelztierfarm mit groben Verletzungen vorgefunden. Die Tiere werden in kleinen Käfigen gehalten und müssen unter grausamen Bedingungen leben. Ein VGT-Aktivist hat diesen Silberfuchs in Skandinavien in einer Pelztierfarm mit groben Verletzungen vorgefunden. - © W&W
von Wann&Wo/Lisa Schmidinger - Pelz wird in Vorarlberg immer beliebter. Die blutige Wahrheit dahinter kennen nur wenige. Tierschützer Tobias Giesinger (27) hat die Fakten.

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WANN & WO: Pelz schafft es immer mehr in die Geschäfte Vorarlbergs. Woher kommt dieser Trend?

Tobias Giesinger: Die Pelzindustrie wird immer offensiver, d.h. es gibt mehr Werbung und die Felle werden als Luxusgut, das nun auch für Mittelständische erschwinglich ist, dargestellt. Die Konsumenten werden getäuscht und die Geschäfte freuen sich über viele kauffreudige und nicht aufgeklärte Kunden.

WANN & WO: Woher stammen die Pelze in Vorarlbergs Geschäften?

Tobias Giesinger: Die meisten Pelze stammen aus Skandinavien und China. In Österreich sind Pelztierfarmen seit 1998 verboten.

WANN & WO: Welche Tiere werden für die Produktion verwendet?

Tobias Giesinger: Für Kragen werden oft Felle von Waschbären verwendet, aber auch Kaninchen oder verschiedene Fuchsarten. Aus Nerzen werden meist Mäntel hergestellt. Auch Hunde und Katzen werden für Pelz getötet. Dieser Verkauf ist eigentlich in Österreich verboten, trotzdem kommt es manchmal vor, dass auch Felle von Hunden und Katzen hier zu finden sind.

WANN & WO: Wie werden die Tiere gehalten?

Tobias Giesinger: Zuerst einmal gilt: Die „gute“ Pelztierfarm ist ein Mythos, das ist Massentierhaltung, um möglichst billig zu produzieren. Soviele Tiere wie möglich werden auf so kleinem Raum gepfercht, dass sie sich kaum noch umdrehen können. Meist sind diese Tiere in freier Natur Einzelgänger und werden in den Farmen regelrecht verrückt und zu Kannibalen. Aus vielerlei Hinsicht ist das Tierquälerei!

WANN & WO: Welche Mittel gibt es, Pelz „zu gewinnen“?

Tobias Giesinger: „Pelztiere“ werden meist mit elektrischer Spannung betäubt oder getötet. Bei Füchsen steckt man eine Metallstange in den After, den zweiten Pol in den Mund. Nerze werden mit Gasen erstickt, erschlagen oder ertränkt – alles nur, damit der Pelz keinen Schaden nimmt. Manchmal werden die Tiere dann bei lebendigem Leib gehäutet und leben noch qualvolle Minuten nach der Häutung weiter.

WANN & WO: Oft wissen Menschen gar nicht, wie die Pelzproduktion abläuft. Wie reagieren sie, wenn ihr sie aufklärt?

Tobias Giesinger: Meist sind sie vollkommen entsetzt und schockiert. Pelzverkaufende Geschäfte streiten oft ab, dass für „ihre“ Pelze das gleiche gilt. Viele Geschäfte in Vorarlberg hassen uns bereits, da wir ihre potentiellen Kunden aufklären, denn viele, die Echtpelz tragen, wissen gar nicht, dass an ihrem Kleidungsstück Blut klebt.

WANN & WO: Wie siehst du „Abfallprodukte“ von Jägern, die z.B. Füchse geschossen haben?

Tobias Giesinger: Ein Tierfreund wird sich mit einem geschossenen Tier auch nicht wohl fühlen. Außerdem stellen „Abfallprodukte“ die Ausnahme dar. Für die Masse rechnet sich das auf keinen Fall.

WANN & WO: Ist Kunstpelz nicht umweltschädlicher als echtes Fell?

Tobias Giesinger: Ganz im Gegenteil: Webpelze werden, ähnlich wie andere Textilien, größtenteils aus Baumwolle und synthetischen Garnen hergestellt. Ein echter Pelz muss bearbeitet werden, um den Verwesungsprozess zu verhindern. Das geschieht mit Chemikalien, die eine starke Belastung für die Umwelt darstellen.

WANN & WO: Konntet ihr bereits Geschäfte in Vorarlberg überzeugen, sich bewusst gegen Pelz zu entscheiden?

Tobias Giesinger: Wir werden in den kommenden Wochen eine Positiv-Negativliste zusammenstellen und veröffentlichen. Sicher pelzfrei sind bereits Peek&Cloppenburg und Vögele Mode. Beide durch das Mitwirken des VGT.

WANN & WO: Was ist das größte Problem hierzulande?

Tobias Giesinger: Es gibt in Österreich immer noch keine Deklarationspflicht, d.h. es muss nicht angegeben werden, woher der Pelz kommt und von welchem Tier er stammt. Somit wäre es möglich, dass Jacken mit Katzenfellkragen verkauft werden.

WANN & WO: Was sind eure Ziele für die Zukunft?

Tobias Giesinger: Hunde-, Katzenund Robbenfelle sind in Österreich bereits verboten. Die Pelzproduktion ebenfalls – darum ist unser Ziel ein generelles Verkaufsverbot von Pelz. Unsere Informationsarbeit erzielt bereits Erfolge bei Vorarlbergern und auch bei Geschäften finden wir Gehör, aber wir müssen ständig am Thema dranbleiben.

Zur Person
Name, Funktion: Tobias Giesinger ist aktiver Tierschützer beim Verein VGT.
Wohnort, Alter: Mäder, 27
Aufgabe beim VGT: Organisation von Infoständen und Kundgebungen.

VGT – Verein gegen Tierfabriken
Ist ein (partei)unabhängiger Verein mit dem Ziel, die Ausbeutung und den Missbrauch von Tieren zu reduzieren oder langfristig abzuschaffen. Die Freiwilligen organisieren in ganz Österreich immer wieder Infostände über Massentierhaltung, Tierversuche, Pelz, usw.

(W&W/Lisa Schmidinger)

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